Montag, 17.06.2019
Verkehrsblatt IVW
17.05.2019

¬ Fahrbericht Mercedes EQC 400 4Matic

Schlauer Stromer

Mercedes EQC 400 4Matic

Im Sommer startet Mercedes mit dem EQC seine Elektro-Offensive.
© Foto: Mercedes

zum Themenspecial Elektroauto

Eindrucksvoller als am Flughafen Oslo lässt sich das Resultat kaum ablesen, was es heißt, wenn der Staat Elektromobilität fördert. Wer durch das angrenzende Parkhaus schreitet, glaubt seinen Augen nicht zu trauen: Dutzende von Stromautos hängen dort am Kabel. Tesla, e-tron, Kona, I-Pace, i3, e-Golf, Leaf und Zoe. Sie alle scheinen hier und ebenso auf den Straßen der norwegischen Hauptstadt häufiger vertreten zu sein als normale Diesel und Benziner. Das skandinavische Land ist Elektronation Nummer eins, weltweit. Und für Mercedes der ideale Ort, hier sein erstes SUV mit Stromantrieb vorzustellen, den EQC.

Er bildet den Auftakt zu einer ganzen Elektrofamilie, die der Stuttgarter Konzern bis Ende 2022 auf die Räder stellen will. Mit einer Länge von 4,76 Meter überragt der EQC sein "Schwestermodell" GLC nur um wenige Zentimeter. Grund ist die andere Karosseriegestaltung und die neue Front, die unmissverständlich zeigen soll: Hier steckt kein Verbrennungsmotor mehr unter der Haube. Technisch aber teilt sich der EQC die Plattform mit dem GLC, läuft sogar vom selben Montageband in Bremen. Lediglich wenn die fast 700 Kilo schwere Batterie eingesetzt wird, schwenkt der EQC kurz aus.

Realistische Reichweite liegt bei maximal 360 Kilometern

Um den Stromspeicher dreht sich in der Elektromobilität so gut wie alles. Derzeit versuchen die Hersteller, so viel Energieinhalt wie nur irgend möglich ins Auto zu bekommen, um vor allem ein Problem zu mildern: die Reichweitenangst des Kunden. Gefragt wird nicht wie früher nach Leistung und Höchstgeschwindigkeit, bei einem Elektroauto lautet stets die erste Frage: Wie weit komme ich damit? Mercedes gibt bis zu 471 Kilometer an. Doch leider gehören diese unter sehr günstigen Bedingungen ermittelten Normwerte in die Welt der Märchen. Kühlere Temperaturen, die eingeschaltete Klimaanlage oder Heizung und auch eine etwas forschere Fahrweise lassen die Reichweite im Alltag arg schrumpfen. Ohne Umschweife und Beschönigungen gibt der Chefingenieur des EQC, Michael Kelz, einen realitätsnahen Anhaltspunkt, denn er hat den EQC bereits länger getestet, ihn durch alle Jahreszeiten gefahren. "Um die 360 Kilometer im Sommer, zirka 270 Kilometer im Winter", sagt Kelz. Ein ähnliches Ergebnis liefert uns der Bordcomputer, zeigt einen Verbrauch von 25 kWh/100 km an - in Oslo sind es an diesem Tag nur kühle zehn Grad Celsius. 80 kWh an Kapazität besitzt der Akku. Er wäre also nach 320 Kilometern leer – bei gleichbleibender Fahrweise.

Um hier noch mehr herauszuholen wird Mercedes jedem EQ-Modell – die Abkürzung steht übrigens für "Electric Intelligence" – eine äußerst schlaue Software mit auf den Weg geben. Das Navi kennt exakt das Streckenprofil und die Verkehrsverhältnisse bis zum Zielort und passt Rekuperation und Fahrweise entsprechend an. Sollte unterwegs ein Ladestopp nötig sein, zeigt das System an, wieviel Strom nachgeladen werden muss, um mit genügend Restenergie ans Ziel zu kommen. Die Reise lässt sich auch vorab bequem von zu Hause aus planen und ins Auto senden.

Mercedes-Benz EQC (2020)
Mercedes-Benz EQC (2020)
Mercedes-Benz EQC (2020)

So hilfreich eine große Batterie für die Reichweite sein mag, zu Hause wird es ohne eine leistungsfähige Wallbox unmöglich, den EQC über Nacht wieder vollzuladen. Die normale Steckdose bräuchte 40 Stunden. Auf neun bis zehn Stunden reduziert sich die Zeit mit einer Wallbox, auf nur 40 Minuten gar, wenn Gleichstrom fließt, wie er an den Super-Chargern an den Autobahnen und an manchen öffentlichen Ladesäulen in der Stadt zu bekommen ist. Allerdings müssen auch hier alle Voraussetzungen stimmen, beispielsweise eine Batterietemperatur von gut 30 Grad Celsius. Nur dann können die Zellen die 110 kW Ladestrom, die Mercedes als Maximum für den EQC angibt, auch verdauen. Zudem gelten die 40 Minuten nur bis zu einem Ladezustand von 80 Prozent.

Unglaublich ruhig

Angetrieben wird der EQC von zwei Elektromotoren mit jeweils 150 kW / 204 PS, wobei der hintere auf schnelle Leistungsentfaltung, der vordere dagegen auf Effizienz und Rekuperation ausgelegt wurde. Zusammen schicken beide also 300 kW / 408 PS zu den Rädern und liefern ein Drehmoment von beachtlichen 760 Newtonmeter. Beides macht den EQC, trotz seiner immerhin 2,5 Tonnen Gewicht, nicht nur zu einem souveränen Gleiter, sondern, wenn es sein muss, auch zu einem sportlichen Gesellen. Bedingt durch den tiefen Schwerpunkt geht der EQC äußerst knackig ums Eck. Noch beeindruckender ist allerdings die unglaubliche Ruhe in diesem Elektro-SUV. Während Audi seinen e-tron bei niedrigem Tempo ein wenig wie eine Straßenbahn „heulen“ lässt – vermutlich, um zu erinnern, dass man in einem Elektroauto sitzt –, dringen beim Mercedes keine Geräusche ans Fahrerohr. Besonders der hintere Elektromotor und die Radhäuser wurden extrem aufwändig gedämmt.

Preislich positionieren die Stuttgarter ihr mittlerweile 10. Elektroauto -den Anfang machte 2009 der Smart - gut 8.000 Euro unterhalb der beiden Hauptkonkurrenten Jaguar I-Pace und Audi e-tron. Doch damit nicht genug. Die 71.281 Euro entsprechen einem Nettopreis von 59.900 Euro, womit der EQC in Deutschland förderungsfähig wird und der Kunde 4.000 Euro Prämie kassieren kann. Dies und die neue 0,5-Prozent-Dienstwagenregelung, so glaubt Mercedes, dürften viele Kunden in diesem Segment dazu animieren, auf Elektromobilität umzuschwenken. Die Bestellbücher sind seit dem 6. Mai geöffnet, die ersten Auslieferungen werden für den Sommer versprochen. Allerdings: Angeblich sollen die meisten noch in diesem Jahr produzierten EQC schon verkauft sein – nach Norwegen.

 
 

Copyright © 1999 - 2019 by AUTO SERVICE PRAXIS Online (Foto: Mercedes)

 


 
Zurück Artikel drucken Kommentar abgeben Heft-Abo
 
 
 

Kommentar verfassen

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

17.06.2019

¬ Porsche

Porsche Panamera (2014)

Fehlerhafter Gebläseregler

Ein Fehler im Gebläseregler kann beim Porsche Panamera zum Kurzschluss und in der Folge zum Brand führen. ¬ mehr

Autocockpit Continental

3D für alle Insassen

In Zukunft könnten Cockpits von Fahrzeugen auch 3D-Grafiken einsetzen. Mit Hilfe einer neuen Technik soll der dreidimensionale Eindruck allen Insassen zur Verfügung stehen. ¬ mehr

Preise, Ausstattungen, Marktstart

VW bringt den Passat auf neuesten Stand. Es gibt mehr Assistenten, einen überarbeiteten Innenraum, ein verbessertes Infotainment und teilweise neue Motoren. Nur an manchen Stellen merkt man noch, dass die Wolfsburger Mittelklasse schon fast fünf Jahre auf dem Buckel hat. ¬ mehr

zum 7-Tage Rückblick

Modellplaner 2019

Der Modellplaner unserer Kollegen von "Autoflotte" bietet Ihnen alle Neuheiten, Facelifts und neuen Motorisierungen auf einen Blick! ¬ mehr

Newsletter

Immer gut informiert.

Der asp Newsletter informiert Sie werktäglich über die aktuellen Branchen-Geschehnisse. So erfahren Sie alle relevanten Infos. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Spezial

R-1234yf

R-1234yf

Chronologie der Diskussion um das neue Klimaanlagen-Kältemittel. ¬ zur Spezialseite

Rückrufdatenbank

Aktionen der Automobilhersteller und Importeure seit 2001,
sortierbar nach Marken und Zeitraum.
¬ Zur Übersicht

Branchenrecht


Werkstattkatalog

asp_wki_box_60x60

Alles für die Werkstatt!

Einmalig umfangreicher
Überblick zum Angebot der Werkstattausrüster.

¬ Zum Werkstattkatalog