Donnerstag, 25.04.2019
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Rostschutz auf Finnisch

Rostschutz auf Finnisch
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© AUTO SERVICE PRAXIS

Nicht alle Fahrzeuge sind im Bereich der Kotflügel optimal gegen Rost geschützt. asp AUTO SERVICE PRAXIS hat ein Unternehmen besucht, das sich auf eine Nachrüstlösung für diese Fälle spezialisiert hat.

Die Nächte sind lang, das Wetter trüb und kalt, die Straßen voller Schnee, Salz und Schmelzwasser. Der Winter belastet nicht nur Menschen, sondern gerade auch Fahrzeuge jedes Jahr aufs Neue. Besonders betroffen sind in der Regel die Kotflügel, an deren Innenseiten die Reifen permanent Schmutz und Salzwasser wirbeln. Um Rostschäden in diesem Bereich vorzubeugen, rüsten die meisten Hersteller ihre Neuwagen seit einigen Jahren serienmäßig mit Radhausschalen aus Kunststoff aus. Diese schirmen etwa die für Rost anfälligen Schraubkanten oder die Falzkante zwischen Karosserieaußenhaut und Radkasten dauerhaft von Spritzwasser und Co. ab.

Nutzfahrzeuge besonders betroffen

Derartigen Schutz gibt es allerdings nicht für alle Fahrzeuge. "Vor allem Transporter wie der Mercedes Sprinter, VW Crafter, Fiat Ducato oder Ford Transit haben auch heute noch keinen oder kaum effektiven Rostschutz", sagt Thomas Hanna, Geschäftsführer der Industrievertretung Hanna GmbH. Das Unternehmen mit Sitz in Hallbergmoos bei München vertreibt für all diese Fahrzeuge Radhausschalen aus HD-Polyethylen des finnischen Unternehmens Lokari. Hinzu kommen Innenkotflügel aus Aluminium mit Gummilippen für Young- und Oldtimer.

Bei abmontierten Reifen lassen sich die "Lokaris" in Autowerkstätten innerhalb von rund einer Stunde mit Blechschrauben und S-Clipsen montieren. Dabei entsteht zwischen dem Radkasten des Fahrzeugs und dem Innenkotflügel beziehungsweise der Radhausschale ein Zwischenraum. Dieser bleibt nach der Montage vorne und hinten offen, so dass Kondensationsflüssigkeit abfließen kann und beim Fahren ein Luftstrom entsteht, der den Hohlraum trocken hält. Als Nebeneffekt sollen die Spritzschutz-Schalen Fahrgeräusche im Innenraum dämpfen und die Aerodynamik leicht verbessern. Zielgruppen sind vor allem die Besitzer von Campingbussen und Wohnmobilen sowie Handwerker: Diese investieren in der Regel hohe Summen in die Einrichtung des Wohnmobils oder die Arbeitsausstattung ihres Transporters, sind häufig in feuchtem, schmutzigem Gelände unterwegs und möchten ihr Fahrzeug dennoch jahrelang nutzen. "Damit die Fahrzeuge lange einsatzfähig bleiben, können Autohäuser und Werkstätten mit Lokaris nachhelfen - im Idealfall schon beim Verkauf", meint Hanna.

Wiederverkaufswert erhalten

Zu den Abnehmern zählen zunehmend auch Leasingunternehmen, die mit den Kunststoffschalen die Höhe des Wiederverkaufswertes der geleasten Transporter möglichst erhalten wollen. Daneben sind Restauratoren, Eigentümer und Händler von Young- und Oldtimern wichtige Kunden. "Kaum ein älteres Auto hat standardmäßig Innenkotflügel. Diese Fahrzeuge sind aber besonders anfällig für Rost", erklärt Hanna. Ohne Schutz seien aufwendige und teure Restaurationsarbeiten deshalb oft nach wenigen Jahren wieder hinfällig. Hanna spricht aus Erfahrung: Er führt mit der "Ponton Manufaktur" ein weiteres Unternehmen, das sich auf Handel und Restauration von Mercedes Ponton Oldtimern spezialisiert hat. Über diese Manufaktur kam er zum Vertrieb der Produkte von Lokari.

Dessen Gründer Leo Laine hatte das Unternehmen in den 50er Jahren in Finnland gegründet, nachdem er die Innenkotflügel erfunden und patentiert hatte. Mit diesen Innenkotflügeln aus Aluminium und den später hinzukommenden Radhausschalen aus Kunststoff konnten Fahrzeuge den rauen Bedingungen auf skandinavischen Straßen erheblich länger trotzen und erreichten dort in der Folge Marktanteile von bis zu 90 Prozent. "Oldtimer aus Schweden oder Finnland sind heute im Bereich der Kotflügel oft noch wie neu", sagt Hanna.

Vertrieb unter eigener Regie

Mit dem Ende des Patentschutzes in den 80er Jahren bauten dann immer mehr Hersteller Radhausschalen serienmäßig ab Werk ein. Lokari ist hier oftmals der Lieferant. Das ursprüngliche Produkt, der Alu-Innenkotflügel, verlor jedoch zunehmend an Bedeutung. Irgendwann fragten nur noch Oldtimer-Restauratoren wie Hanna die Innenkotflügel in Europa nach.

Als deren Verkauf in Deutschland mangels Nachfrage im Jahr 1990 schließlich auf der Kippe stand, setzte sich Hanna für einen Relaunch unter eigener Regie ein und erwarb erst für die Innenkotflügel und später auch für die Nachrüst-Radhausschalen die Vertriebsrechte. "Ich war von den Produkten überzeugt und habe bei Transportern und Oldtimern Marktpotenzial erkannt", sagt Hanna. Seitdem importiert er die Produkte aus Finnland und liefert sie weltweit an Kunden aus.

Mit Original-Maschinen

Bei exotischen Fahrzeugen und Oldtimern fertigt er auf Wunsch zudem Schablonen für neue Innenkotflügel an. Für diese produziert Lokari bei Bedarf mit den Original-Maschinen aus den 60er und 70er Jahren.

Wirtschaftlich entwickelt sich die Industrievertretung Hanna nach eigenen Angaben derzeit solide. "Für uns geht es stetig aufwärts. Trotzdem bleibt noch viel Luft nach oben", sagt der Firmenchef. Denn viele potenzielle Kunden würden das Produkt gar nicht kennen. Außer in kalten Ländern wie Finnland, Schweden oder Russland befasse sich schließlich kaum jemand mit Rostschutz an der Innenseite von Kotflügeln. Es gelte daher, das Produkt bekannter zu machen. Hanna: "Wir haben hier eine große Marketingaufgabe vor uns. Dafür suchen wir uns Handels- und Werkstätten-Partner in Deutschland und Europa." Dann, da ist er sicher, muss sich bald niemand mehr über Rost an den Kotflügeln ärgern.

Kurzfassung

Die Industrievertretung Hanna GmbH vertreibt Radhausschalen und Innenkotflügel des finnischen Unternehmens Lokari. Sie schützen den Bereich um die Kotflügel vor Schmutz, Spritzwasser und Kondensationsfeuchtigkeit. Zum Einsatz kommen die so genannten "Lokaris" in erster Linie in Nutzfahrzeugen sowie bei Young- und Oldtimern.

Autor: Armin Wutzer

 
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