Montag, 23.09.2019
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Reparieren war noch nie so einfach

Reparieren war noch nie so einfach
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© AUTO SERVICE PRAXIS

Der Hamburger Schulungsanbieter Trainmobil legt viel Wert auf erstklassiges Schulungsmaterial und setzt neuerdings auch auf Augmented Reality. Der Geschäftsführer Elmar Wenzel über die Idee hinter dem Unternehmen.

asp: Trainmobil hat sich seit der Gründung vor 20 Jahren als Schulungsanbieter einen Namen gemacht. Wie hat alles angefangen?

Elmar Wenzel: Anfang der 90er-Jahre hatten die freien Werkstätten bei vielen Themen einen hohen Informationsbedarf, beispielsweise beim Übergang von der ASU zur AU. Da ich damals für den Vertrieb von Testgeräten zuständig war, bemerkte ich das jeden Tag. Hans-Jürgen Matthies und ich haben uns damals gefragt: Wer hilft denn eigentlichen den freien Werkstätten? Uns war klar, dass sich die damals noch recht statischen Schulungen verändern müssen. Was die Werkstätten benötigten, waren praxisnahe Trainings für die Reparatur. Das wollten wir vor Ort und nahe beim Kunden anbieten - deshalb haben wir das mit dem Namen Trainmobil, Trainings für Praktiker, zum Ausdruck gebracht.

asp: In drei Sätzen: Was ist Ihr Anspruch an ein gutes Training?

E. Wenzel: Lernen mit Trainings aus der Praxis für die Praxis. Konzentration auf die Reparatur. Höchste Qualität von Trainingsmaterial und Trainer.

asp: Sie betreiben einen großen Aufwand für die Schulungsunterlagen. Wird das vom Markt belohnt?

E. Wenzel: Wir absolvieren im Jahr 2.000 Trainingstage und haben 20.000 Trainingsteilnehmer, die auch gerne immer wieder zu uns kommen. Das spricht für unser Trainingsangebot. Die Schulungsunterlagen werden sehr gerne mitgenommen oder auch extra angefordert. Wir bekommen viel Anerkennung von unseren Werkstattkunden und aus dem Großhandel. Im Wettbewerb stechen unsere Unterlagen schon heraus.

asp: Und was müssen Trainer mitbringen?

E. Wenzel: : Wir beschäftigen rund 20 Trainer, die bis auf wenige Ausnahmen fest angestellt sind. Das sind durchweg Kfz-Meister, die auch selbst schon in der Werkstatt geschraubt haben, darauf legen wir großen Wert. Nur wenn man die gleiche Sprache spricht und der Trainer weiß, was die Teilnehmer in der Praxis beschäftigt, kann er sein Wissen erfolgreich vermitteln. Das hat auch etwas mit Glaubwürdigkeit zu tun - so tickt einfach die Branche.

asp: Wie sieht gutes Schulungsmaterial aus?

E. Wenzel: Wir stecken immens viel Aufwand in die Trainingsunterlagen. Dass ein Trainer sich ein paar Informationen zusammensucht und irgendwelche Farbkopien verteilt, geht schon lange nicht mehr. Die Technik ist viel zu komplex und umfangreich geworden. Wir wollen den Teilnehmern eines Trainings eine echte Hilfe für die Reparatur anbieten und Erfolg versprechende Verfahren zur Lösung eines Problems aufzeigen. Wir erstellen daher eine erprobte Reparaturanleitung mit entsprechender Dokumentation, die wir auch selbst ausgiebig testen. Je besser das Material aufgearbeitet ist, desto mehr Informationen können wir vermitteln und desto nachhaltiger ist der Lernerfolg. Deshalb betreiben wir auch so einen großen Aufwand für die ansprechende Illustration von Technik.

asp: Dabei setzen Sie auf 3-D-Grafiken und sogar Augmented Reality ...

E. Wenzel: Wir konstruieren Teile am Rechner mit einem CAD-Programm und erhalten am Ende eine dreidimensionale Darstellung. Wir dringen damit wirklich in die Teile ein, können in Details hineinzoomen und Bauteile im Raum drehen. Eine dreidimensionale Animation ist bei der Schulung natürlich ein hervorragendes Instrument, um technische Vorgänge zu erklären. Nehmen Sie das Beispiel Turbolader: In einer 3-D-Darstellung kann der Trainer genau zeigen, wie die feinen Bohrungen für das Öl verlaufen. Damit kann jeder bildhaft verstehen, was passiert, wenn der Ölfilter nicht gewechselt wird oder das Öl verschmutzt ist. Das vermittelt ein ganz anderes Verständnis.

asp: Wie funktioniert die Reparaturhilfe?

E. Wenzel: Wir bieten Werkstätten ab 2020 eine digitale Reparaturhilfe an. Damit wollen wir die technische Unterstützung direkt an den Arbeitsplatz bringen. Dazu gibt es flankierend Trainingsunterlagen mit Augmented-Reality-Anwendungen. Der Mechaniker scannt mit dem Smartphone ein Bild und kann sich zum Beispiel das passende Erklärvideo anschauen.

asp: Wie funktioniert die digitale Reparaturhilfe - was kann man dort abrufen?

E. Wenzel: Wenn es ein Problem in der Werkstatt gibt, benötigt man die Info vor Ort und möglichst schnell. Mit der Reparaturhilfe liefern wir die Anleitungen direkt an den Arbeitsplatz. Im Kern handelt es sich um eine Reparaturhilfe, die den Mechaniker Schritt für Schritt anleitet. Als Ergänzung liefern wir mit der Reparaturhilfe plus sogar Hintergrundwissen dazu.

asp: Ist E-Learning ein Thema für Sie?

E. Wenzel: E-Learning-Programme sind in der Regel aufgebläht und wenig praxisnah. Bei uns steht wirklich das praktische Tun in der Werkstatt im Vordergrund. Nicht selten zwingt E-Learning Menschen, bestimmte Inhalte gewissermaßen als Pflichtübung vor dem Computer aufzunehmen um ein vorgeschriebenes Zertifikat vom Arbeitgeber zu erhalten. Dieser entledigt sich damit seiner gesetzlichen Unterweisungspflicht. Das ist nicht unser Spielfeld.

asp: Teilehersteller haben erkannt, dass die Information zum Teil immer wichtiger wird - stimmt das?

E. Wenzel: Ja, das zeichnet sich seit Jahren schon ab. Vor 30 Jahren fielen in der Werkstatt vor allem mechanische Standarddinge an, dann kam die Elektronik ins Spiel, heute sind wir bei der IT-Technik. Die großen Teilehersteller wie Schaeffler, Conti oder ZF bauen daher selbst Wissensplattformen auf, die ihrerseits auch schon mit Virtual Reality und Augmented Reality experimentieren.

asp: Sind die freien Werkstätten künftig überhaupt noch in der Lage, komplexe Reparaturen durchzuführen?

E. Wenzel: Der freie Markt hat prinzipiell gute Wachstumsmöglichkeiten, weil die Händlernetze immer kleiner werden und die Wege zur Vertragswerkstatt damit immer weiter. Dazu kommt, dass die Preise für die Reparatur in der Vertragswerkstatt vielen Autofahrern einfach zu hoch sind. Das ist auch künftig die große Chance für den freien Markt. Dafür müssen sich die freien Betriebe aber auch entsprechend aufstellen und den Kunden interessante Angebote machen, vielleicht auch für Kunden, deren Auto erst ein oder zwei Jahre alt ist. Grundsätzlich ist das kein Problem: Reparieren war noch nie so einfach wie heute, denn alle Informationen sind verfügbar. Freie Werkstätten finden auf den Herstellerportalen jede Information, die notwendig ist. Zudem gibt es technische Hotlines, übrigens auch bei uns.

asp: Trainmobil hat auch eine Hotline?

E. Wenzel: Ja, der Mechaniker kann bei uns zur Unterstützung bei den Herstellerportalen oder Eintragungen in das digitale Serviceheft anrufen. Wir betreiben die Hotline unter eigenem Namen, bieten das aber auch für Dritte als Dienstleistung an. Dieser Bereich wird weiter wachsen.

asp: Welche Trainings sind derzeit besonders be

liebt? E. Wenzel: Die Trainings zum Arbeiten auf Herstellerportalen werden viel gebucht. Schon seit Längerem ist das digitale Serviceheft ein Renner ebenso wie die Schulungen zur Hochvolttechnik - obwohl es erst wenige Hybrid- und Elektrofahrzeuge gibt. Daneben stehen die Trainings zur Klimasachkunde, zu Diagnosegeräten und zu Fahrerassistenzsystemen hoch im Kurs.

asp: An welchen neuen Inhalten arbeiten Sie?

E. Wenzel: Derzeit beschäftigen wir uns mit Telematik, aber auch den Bereich mit betriebswirtschaftlichen Themen wollen wir ausbauen. Das betriebswirtschaftliche Wissen ist grundlegend wichtig für Servicebetriebe. Die Produktivität ist in den meisten Betrieben viel zu gering. Werkstätten müssen daher dringend ihre Prozesse verbessern.

Interview: Dietmar Winkler

Kurzfassung

Seit 20 Jahren steht Trainmobil für hochwertige Schulungen. Das Erfolgsrezept fußt auf praxisnahen Trainings, erstklassigen Trainern und hochwertigem Schulungsmaterial. Die Digitalisierung eröffnet ganz neue Möglichkeiten.

Der Blick ins Innere

Der Hamburger Trainingsanbieter Trainmobil ist eine feste Größe in der Weiterbildung für Kfz-Werkstätten. Im vergangenen Jahr absolvierten 20.000 Teilnehmer an 2.000 Trainingstagen bundesweit die praxisorientierten Schulungen.Großen Wert legt Trainmobil auf Trainingsunterlagen und nutzt dazu unter anderem 3-D-Darstellungen. Mit dem "3-D-Projektor" sind Trainer in der Lage, während der Schulungen tief in das Innenleben von Bauteilen zu blicken, Animationen und Videos vermitteln den Schulungsteilnehmern einen anschaulichen Einblick. Grundlage für die 3-D-Modelle sind reale Kfz-Ersatzteile, die vermessen werden und mittels CAD-Programm in eine technische Darstellung des Bauteils gebracht werden.Ergänzt werden Schulungsunterlagen durch Augmented-Reality-Anwendungen. Damit ist es möglich, multimediale Inhalte mit gedruckten Informationen zu verbinden. Damit können Trainingsteilnehmer vertiefende Informationen auf ihr Smartphone oder Tablet holen.

Autor: Dietmar Winkler

 
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