Sonntag, 22.09.2019
Verkehrsblatt IVW
03.06.2019

¬ Bosch und automatisiertes Fahren

Praxisphase startet bald

Roboterauto Daimler Bosch

Bosch startet in der zweiten Jahreshälfte gemeinsam mit Daimler einen großen Praxistest von Robotertaxis.
© Foto: Daimler

Von Klaus Lockschen/SP-X

Das autonome Fahren ist einer der Mega-Trends im Mobilitätssektor. Die Technik ist weit entwickelt, die ersten Feldversuche laufen. Auch die deutschen Branchengrößen Bosch und Daimler starten bald in die Praxisphase. Im kalifornischen San José bieten sie noch in diesem Jahr gemeinsam einen Robotaxi-Service an.

Das Roboterauto ist für Dirk Hoheisel, Mitglied der Geschäftsführung bei Bosch, vor allem eine Antwort auf die Verkehrsprobleme in den Städten – gerade in den Megacities in Asien. "Wir benötigen Konzepte, die helfen, Verkehr zu vermeiden und zu verbessern." Neben Carsharing und dem öffentlichen Nahverkehr sieht er Roboterautos als Teil einer möglichen Lösung. Denn sie verbessern den Verkehrsfluss, können je nach Bedarf geordert werden und benötigen keinen Parkplatz, da sie 24 Stunden am Tag im Dienst sind. Erfahrungen auf dem neuen Mobilitätsfeld will sein Unternehmen ab der zweiten Jahreshälfte gemeinsam mit Daimler in den USA sammeln. Dort trifft die schwäbische Allianz dann wohl unter anderem auf Konkurrenz-Dienste von Google-Tochter Waymo und General Motors.

Geplant ist in der Stadt San José im Großraum San Francisco ein sogenannter Ride-Hailing-Dienst, wie ihn beispielsweise Uber aktuell bereits mit menschlichen Fahrern anbietet. Geordert werden die Autos per App, auch die Kommunikation des Fahrtziels und die Bezahlung erfolgt per Handy. Zunächst soll das allerdings nur ausgewählten Kunden ermöglicht werden, die beiden Unternehmen wollen erst einmal Erfahrungen mit der neuen Technik sammeln. Während des Pilotprojekts werden die Testfahrten nur mit geschulten Fahrern und einem zusätzlichen Systemingenieur an Bord des Fahrzeugs durchgeführt. Der Fahrer stellt die Sicherheit des Fahrzeugs sicher und kann im Notfall eingreifen, der Systemingenieur – oder der sogenannte Operator – startet das System und überwacht es. Als Fahrzeuge genutzt werden speziell umgerüstete Mercedes-S-Klasse-Modelle mit Autonomie-Technik auf Level 4/5.

Vollautomatisierte Fahrzeuge für Massenmarkt zu teuer

Serienreif für den Privatkundenmarkt ist die Technik noch nicht. "Dort stellt Bosch derzeit Systeme für das teilautomatisierte (Level 2) und bald auch für das hochautomatisierte Fahren (Level 3) zur Verfügung", erläutert Hoheisel. Bei diesen Systemen kann der Fahrer mitunter auch schon mal kurzzeitig die Hände vom Lenker nehmen, weil das System die Überwachung des Fahrumfeldes teilweise übernimmt. Von echten Roboterautos spricht man erst auf Level 4 bis 5, also dem vollautomatisierten und fahrerlosen Fahren. Die in beiden Fällen benötigte Technik ist laut Hoheisel sehr ähnlich: "Für vollautomatisierte Fahrzeuge ist deutlich mehr Technik nötig, beispielsweise Laserscanner und eine wesentlich höhere Rechenleistung." Für den Massenmarkt wäre das noch kein gangbarer Weg – die Fahrzeuge wären schlicht zu teuer. Weil solch ein Fahrzeug jedoch ohne Fahrer auskommt und rund um die Uhr und an sieben Tagen die Woche eingesetzt werden kann, sieht die Kosten-Nutzen-Rechnung im kommerziellen Einsatz deutlich besser aus.  

Doch allein Sensorik, Sicherheitssysteme und Antrieb ergeben noch keinen funktionierenden Robotertaxi-Dienst. "Wir wollen verstehen, was die Nutzer wollen. Sind es überwiegend ältere oder jüngere Menschen, die diese Fahrzeuge und den dazugehörigen Service nutzen? Wie wird der Dienst akzeptiert?", sagt Hoheisel. Auf dem Papier funktioniere das neue Mobilitätskonzept, aber auch im Straßenverkehr? Auch darum investieren die Hersteller in teure Feldtests.

Das Budget für die Entwicklung des automatisierten Fahrens ist gigantisch. Allein bei Bosch arbeiten rund 5.000 Personen an dem Thema. Das Unternehmen investiert bis 2022 etwa vier Milliarden Euro in das Roboterauto. „Nicht nur Menschen, auch Güter können automatisiert transportiert werden. Auf diesem Pfad wird es sicher noch eine Menge interessanter Geschäftsmodelle geben“, so Hoheisel. Bis das autonome Fahren eine Selbstverständlichkeit im Straßenverkehr ist, wird man seiner Meinung aber noch etwas warten müssen.  Auch wenn die Technik mittlerweile bekannt und zum Teil auch verfügbar sei. Denn es gibt auch noch gesetzliche Hürden: Funktionen, bei denen der Fahrer das System nicht mehr überwachen muss, sind derzeit noch nicht für den Straßenverkehr zugelassen.

 
 

Copyright © 1999 - 2019 by AUTO SERVICE PRAXIS Online (Foto: Daimler)

 


 
Zurück Artikel drucken Kommentar abgeben Heft-Abo
 
 
 

Kommentar verfassen

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

Mercedes-Benz Sprinter

Brandgefahr durch thermische Überlastung

Mercedes ruft weltweit rund 7.000 Sprinter zurück. Grund ist eine mögliche thermische Überlastung am Kompressor der Luftfederung, die zum Brand führen kann. ¬ mehr

Bernhard Mattes IAA 2019

Neues Konzept für IAA gesucht

Proteste von Klimaschützern, Rücktritt des obersten Autolobbyisten, Zwist mit dem Frankfurter Oberbürgermeister und eine Debatte über die Zukunft der Messe - der Autoschau IAA fehlte in diesem Jahr der Glanz. Der Veranstalter VDA zieht dennoch eine positive Bilanz. ¬ mehr

GroKo einig über Klimapaket

Stundenlang ringen Union und SPD um einen großen Plan, damit Deutschland die Klimaziele 2030 doch noch einhält. Nun ist ein Paket geschnürt - und die Kritiker reagieren prompt. ¬ mehr

zum 7-Tage Rückblick

Frage der Woche


Beliebteste Inhalte

  • 12.09.2019 | Stahlgruber

    Neues Verkaufshaus in Wolfschlugen

    Josef Herl meint: Sehr geehrte Damen und Herren,wir benötigen kurzfristig eine Nußbaum 2 SeilenHebebühne mindest 3 ...mehr

  • 09.09.2019 | VW elektrifiziert Oldtimer

    E-Power für altes Blech

    Volker Frank meint: Wie wirkt sich das auf den Oldtimer-Status aus (Erhaltung des technischen Kulturgutes ???...mehr

  • 08.09.2019 | VW elektrifiziert Oldtimer

    E-Power für altes Blech

    Fritz Wichmann meint: Ich verstehe den Sinn so eines Umbau nicht, warum baut man einen Oldtimer umbaut....mehr

Newsletter

Immer gut informiert.

Der asp Newsletter informiert Sie werktäglich über die aktuellen Branchen-Geschehnisse. So erfahren Sie alle relevanten Infos. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Betriebssicherheit

Mitarbeiteranweisungen

Mitarbeiteranweisungen

Schnell vermitteltes Wissen zu wesentlichen Gefahrenquellen in der Werkstatt. ¬ mehr

Werkstattkatalog

asp_wki_box_60x60

Alles für die Werkstatt!

Einmalig umfangreicher
Überblick zum Angebot der Werkstattausrüster.

¬ Zum Werkstattkatalog

Springer Automotive Shop

Entdecken Sie Quirin!

In der Neuerscheinung "Die Quirin-Formel" zeigt Ihnen Dr. Andreas Block, welche zentralen Bausteine erfolgreiche Autohäuser gemein haben. ¬ Jetzt bestellen!