Künftig will sich der Automobilzulieferer Continental auf zwei Geschäftsfelder beschränken. So sollen die drei Divisionen Chassis & Safety, Interior und Powertrain zur Automotive Group zusammengeführt werden. Als zweite Unternehmenseinheit bilden die Hannoveraner aus den bisherigen Divisionen Pkw-Reifen, Nutzfahrzeugreifen und ContiTech die neue Rubber Group, hieß es in einer Mitteilung. Der Conti-Vorstandsvorsitzende Karl-Thomas Neumann übernimmt die Leitung der Automotive Group, sein Stellvertreter Alan Hippe verantwortet künftig die Rubber Group.
Während der vergangenen zehn Jahre habe das Unternehmen durch gezielte Zukäufe zwei deutlich unterschiedliche Unternehmensgruppen entwickelt, erklärte Neumann. Nach der Übernahme von Siemens VDO habe man die drei Automotive-Bereiche enger zusammengeführt und zur besseren Koordinierung mit einer gemeinsamen Geschäftsführung versehen. Mit der Schaffung der Rubber Group sei nun das Pendant geschaffen, sagte Neumann.
Offen für alle Optionen
Der Konzern erhalte auf diese Weise die notwendige Flexibilität, um "auf eine breite Palette künftiger Entwicklungen und möglicher Optionen schnell und entschlossen reagieren zu können", ergänzte Hippe. Marktkenner interpretieren diese Aussage und die neue Struktur als erstes Anzeichen für eine mögliche Aufspaltung des Konzerns. Der Financial Times Deutschland sagte eine Unternehmenssprecherin: "Grundsätzlich lassen wir uns mit der neuen Struktur alle Optionen offen. Im Moment gibt es aber keinen Beschluss, eine Sparte zu verkaufen."
Seit dem Schaeffler-Einstieg bei Conti spekulieren Branchenexperten verstärkt über eine mögliche Abspaltung des Reifengeschäfts. Der Wettbewerber Michelin hatte bereits Interesse angekündigt, aber später wieder dementiert (wir berichteten). Die neue Struktur würde eine Aufteilung vereinfachen.
Die Gerüchte um Werksschließungen und Stellenabbau wurden durch den Einstieg der Herzogenauracher ebenfalls genährt. Der "Bild"-Zeitung gegenüber sprach Conti-Chef Neumann jetzt über mögliche Entlassungen: "Wir werden innerhalb der nächsten fünf Jahre 20 Prozent an Elektronik-Kapazität zu viel haben. Dafür suchen wir Lösungen mit den Werken". (msh)