Anlässlich des zehnten Geburtstags des Elektronischen Stabilitäts-Programms (ESP) hat Bosch angekündigt, die Öffentlichkeit verstärkt über die Vorteile des Sicherheitssystems aufzuklären und so dessen Verbreitung voranzutreiben. Marktbefragungen in Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien hätten ergeben, dass das Wissen der Autofahrer über solche Assistenzsysteme nur gering sei. Die Ausstattungsraten in den einzelnen Ländern sind unterschiedlich. Nach Bosch-Schätzungen waren in Deutschland 2004 bereits rund 64 Prozent aller Neufahrzeuge mit ESP ausgerüstet, während in Gesamteuropa die Quote in diesem Zeitraum bei 36 Prozent lag. In Japan und Nordamerika seien die Ausrüstungsraten nochmals niedriger: in den USA bei etwas über zehn Prozent und in Japan noch darunter. Toyota ist anhand der Auswertung von rund einer Mio. Unfällen mit Personenschaden zum Ergebnis gekommen, dass der serienmäßige Einsatz von ESP die Anzahl der schweren Fahrunfälle auf die Hälfte reduzieren könnte. Die EU-Kommission hat es sich zum Ziel gemacht, die Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr innerhalb von zehn Jahren bis 2010 zu halbieren. Zur weiteren Verbreitung von ESP hat Bosch deshalb speziell für Fahrzeughändler ein Schulungskonzept namens "ESPerience" entwickelt. Dessen Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit den Fahrzeugherstellern dem Verkäufer und damit später auch dem Kunden den Nutzen des ESP verständlich und durch Testfahrten dieses System "erlebbar" zu machen. Ein ESP-System enthält neben dem "Fahrzeugregler", der dem Schleudern entgegenwirkt, immer auch ein Antiblockiersystem und eine Antriebsschlupfregelung. Diese drei Basisfunktionen wurden seit 1999 um Komfort- und Sicherheitsfunktionen ergänzt. Damals startete in einem SUV die "Hill Descent Control", die bei steiler Bergabfahrt eine gleich bleibende Geschwindigkeit hält. Eine Vielzahl weiterer Funktionen kam danach hinzu: Die "Roll Over Mitigation" reduziert die Gefahr des Umkippens, die "Trailer Sway Control" verringert das Aufschaukeln schwerer Pkw-Anhänger, und die "Load Adaptive Control" erkennt bei leichten Nutzfahrzeugen das tatsächliche Fahrzeuggewicht und passt die ESP-Eingriffe entsprechend an. Zukunftspläne In den nächsten Jahren will Bosch das Elektronische Stabilitäts-Programm um weitere Funktionen ergänzen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Vernetzung mit passiven Sicherheitssystemen sowie mit vorausschauenden Fahrerassistenz-Systemen. Diese Aktivitäten fasst der Zulieferer im Programm CAPS (Combined Active and Passive Safety Systems) zusammen. Zudem entwickelt das Unternehmen eine skalierbare Produktpalette auf ESP-Basis, in die sich die unterschiedlichen Funktionsumfänge kostengünstig integrieren lassen. Die erste Ausbaustufe "ESP plus" soll im ersten Halbjahr 2005 in Serie gehen, eine weitere, noch erheblich umfangreichere Entwicklungsstufe, die elektrohydraulische Bremse EHB3, im Jahr 2006. (ng)
Bosch startet Infokampagne zum ESP-Jubiläum
Zum zehnten Geburtstag wurde auch ein Schulungskonzept für Händler entwickelt / Mit Übersichtsgrafik