Sonntag, 24.03.2019
Verkehrsblatt IVW
07.08.2018

¬ Classic Days 2018

Mehr Vielfalt geht nicht

Wer am ersten August-Wochenende an den Niederrhein nach Jüchen bei Mönchengladbach gereist ist, hatte meist nur eines im Sinn: Autos.
© Foto: SP-X/Patrick Broich

Von Patrick Broich/SP-X

Wer am ersten August-Wochenende an den Niederrhein nach Jüchen bei Mönchengladbach gereist ist, hatte meist nur eines im Sinn: Autos. Nicht wenige Besucher der Classic Days auf Schloss Dyck mussten einige Strapazen auf sich nehmen, um zu der binnen eines Jahrzehnts zu einer Institution gereiften Veranstaltung zu kommen. Denn, wer ein echter Oldtimer-Fan ist, fährt im eigenen Liebhaberstück – was in den meisten Fällen eine Fahrt bei mehr als 30 Grad ohne Klimaanlage bedeutete.

Der Kondition hunderter Oldtimer-Besitzer ist zu verdanken, dass auch in diesem Jahr bereits der Fußmarsch zum Ausstellungsgelände am Wasserschloss zur Attraktion wurde: Stimmten doch die anreisenden und geparkten Liebhaberstücke, die der Besucher bereits auf dem Weg zum Schloss Dyck sieht, hört und riecht, angemessen auf die Schau der Pretiosen ein.

Einen kilometerlangen Fußweg rund um das Wasserschloss zurück zu legen, ist überhaupt kein Problem, dabei durchstreift man die automobilen Schichten dabei wie die Tierwelten in einem zoologischen Garten. Wer aufgrund der Lokalität vermutet, das Event sei abgehoben, der muss sich belehren lassen. Gelangt man aus Richtung Dycker Feld auf die so genannte Apfelwiese, macht man Bekanntschaft mit den ersten bodenständigen Oldies. Da strahlen Mercedes W123 und Citroën 2CV in Urausführung um die Wette und dürften bei manchem den Wunsch nach einem eigenen, bezahlbaren Klassiker aufkommen lassen. Seitlich der Zufahrtswege haben sich Besucher niedergelassen, um dort zu picknicken, eine gemütliche und preiswerte Alternative zu den zahlreichen Streetfood-Wagen.

Langeweile kommt nicht auf

Wer die Apfelwiese in Richtung Osten verlässt, trifft auf Neuwagen aus dem Volkswagen-Konzern, auch solche mit Seltenheitswert: Einen millionenteuren Bugatti Chiron beispielsweise sieht man nicht alle Tage. Welchen Weg man auch immer einschlägt, Langeweile kommt nicht auf. Der Humber Super Snipe dürfte nur Kennern ins Auge stechen. Ein schrulliger, britischer Kombi der gehobenen Mittelklasse mit Dreiliter-Sechszylinder aus den Entwicklungsabteilungen der Rootes-Gruppe. Heute kann man rare, ehemalige Alltags-Briten am besten im Herkunftsland kaufen, zu bodenständigen, vierstelligen Preisen.

Eher im mittleren sechsstelligen Bereich liegt das silberne Ungetüm mit dem spacigen Boot im Schlepptau, schlendert man weiter Richtung Schloss. Lamborghini hat schon in den Achtzigern einen Geländewagen auf die Räder gestellt. Mehr als 300 Exemplare sind es nicht geworden – dafür mit herrlich klingendem, aber auch durstigem 5,2-Liter-V12 mit Sechsfach-Vergaser. Noch seltener ist der ausgestellte Maserati Ghibli Spyder – zu kaufen für knapp unter 400.000 Euro.

Aber zurück in bürgerlichere Gefilde, zum historischen Camping. Gezogen werden die rollenden Mini-Eigenheime von Fahrzeugen wie Saab 96, Citroën DS und Ponton-Mercedes. Der ausgestellte Volkswagen T2 aus den Sechzigern trägt die Camping-Ausrüstung gleich als Interieur. Wessen Füße jetzt noch nicht schlapp gemacht haben, der wird weitergetragen zu den italienischen Rennsportwagen der Frühzeit. Hier stehen neben den bekannten Größen von Alfa Romeo auch seltene Bizzarrini herum, die ein Unternehmer aus Frankfurt liebevoll restauriert. Schon ein paar Schritte weiter wird es wieder deutsch – das Wirtschaftswunder lässt grüßen. Opel Olympia, Messerschmidt Kabinenroller und so manches Produkt aus dem Hause Borgward oder Lloyd erinnern an den Aufschwung nach dem zweiten Weltkrieg.

Unerlässlich ist auch ein Abstecher in Richtung Rennstrecke. Findet gerade ein Lauf statt, halten sich die einen ihre Ohren zu, während andere in Wohlfühl-Pose dem Sound lauschen. Hier zeigen alte Vorkriegs-Bentley, Veritas- und Lotus-Sportwagen, was sie können. Doch unter die rasanten historischen Renn-Pretiosen hat sich auch eine überraschende Neuheit gemischt, und zwar lautlos: der Elektro-Prototyp Volkswagen I.D. R Pikes Peak.

Von günstig bis teuer

Auto-Enthusiasten mit Ausdauer widmen sich an dieser Stelle dem so genannten Miscanthus-Feld, das Platz für unzählige Klassiker aus sämtlichen Epochen und Preisklassen bietet. Hier stellen Fahrzeugbesitzer entweder alleine oder mit Unterstützung ihrer Clubs alles aus, von günstig bis teuer. Da können in der BMW-Ecke auch mal zehn Dreier Cabrios der E30-Reihe nebeneinander stehen. Oder die Volkswagen Nasenbär-Gemeinschaft kratzt sämtliche noch verfügbare Exemplare aus ganz Deutschland zusammen, um eine ansehnliche Armada zu bilden. Hier tummeln sich aber auch rote Hochkaräter aus Maranello oder viel günstigere, aber dafür ebenso exotische Japaner sämtlicher Couleur.

Zum Abschluss und als Höhepunkt darf der Besuch der "Jewels in the Park" nicht fehlen. Dort präsentieren sich zuvor angemeldete und nach FIVA-Reglement eingeordnete Edel-Karossen. Dabei handelt es sich um versunkene Marken wie Delahaye, exotische Sportler wie der DKW Monza oder aber frühe Ferrari-Modelle mit Millionenwert. Allerdings kann beim offiziellen Concours auch ein seltenes Fiat 1900 Coupé einen Preis gewinnen, das preislich bei vergleichsweise moderaten 50.000 Euro liegt.

Nach einem ordentlich gefüllten Tagesprogramm und automobiler Reizüberflutung führt der Weg wieder zurück zum Parkplatz. Zum Abschluss rauschen abermals klangvolle Oldies vorbei und hinterlassen prägnanten Benzingeruch.

 
 

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