Sonntag, 24.03.2019
Verkehrsblatt IVW
17.05.2018

¬ Fahrbericht Volvo V60

Mehr Premium in der Mittelklasse

Fahrspaß kann man mit dem neuen Volvo V90 durchaus haben.
© Foto: Volvo

Von Michael Gebhardt/SP-X

Eines muss man den Schweden lassen: geradlinig sind sie. Seit Volvo mit dem XC90 eine komplett neue Formensprache eingeführt hat, wird das Design konsequent bei allen neuen Modelle durchgezogen. Kein Wunder also, dass auch der neue Mittelklasse-Kombi V60 optisch sofort als Volvo der jüngsten Generation zu erkennen ist. Und auch bei den Preisen weichen die Skandinavier nicht von ihrer Linie ab: Die Tarife für den ab Mitte Juli erhältlichen V60 liegen mit mindestens 40.100 Euro auf Premium-Niveau.

Die gute Nachricht: Der Volvo wird bald günstiger werden. Aktuell stehen nur drei recht potente Motoren und die beiden höheren Ausstattungslinien zur Wahl; kleinere Benziner und Einstiegs-Trim-Level sollen, wie auch zwei – sicher nicht preiswerte – Plug-in-Hybride noch in diesem Jahr nachgereicht werden. Wer sich jetzt für den V60 entscheidet, greift entweder zum T6-Benziner mit serienmäßigem Allrad, Achtgang-Automatik und 228 kW / 310 PS (ab 49.500 Euro) oder zu einem der beiden Diesel, D3 und D4 (110 kW / 150 PS und 140 kW / 190 PS).

Die Selbstzünder fahren ab Werk mit manuellem Sechsgang-Getriebe vor und sorgen nicht nur für sparsamen Vortrieb, sondern machen den V60 auch zu etwas Besonderem: Er ist der letzte neue Volvo, der überhaupt mit Diesel vorfährt. Gerade haben die Schweden verlautbart, dass schon der in wenigen Wochen präsentierte Limousinen-Ableger S60 nur noch als Benziner oder Hybrid zu haben sein wird, und im gleichen Atemzug verkündeten sie, dass das auch für alle weiteren Modelle ab 2019 gilt. Der Schritt ist freilich logisch, hat Volvo doch schon vor kurzem angekündigt, keine neuen Dieseltriebwerke mehr zu entwickeln; außerdem stehen jetzt ohnehin ein paar Elektroautos auf dem Plan.

Ordentlicher Laufkultur, gleichmäßige Kraftentfaltung

Wer sich nun für den Diesel entscheidet, macht aber keinen Fehler. Beide Aggregate sind natürlich AdBlue-gereinigt und nach der aktuellsten Abgasnorm Euro-6d-Temp-zertifiziert – wie übrigens auch der Benziner mit Partikelfilter. Bei der ersten Ausfahrt überzeugte uns der bereit stehende D4 mit ordentlicher Laufkultur, guter Geräuschdämmung und angenehm gleichmäßiger Kraftentfaltung. Zusammen mit der hier optional erhältlichen Achtgang-Automatik zieht er mit seinen 400 Newtonmetern Drehmoment vom Stand weg kraftvoll durch und marschiert in kurzweiligen 7,9 Sekunden auf Tempo 100.

Deutlich schneller – in nur 5,8 Sekunden – erledigt der 228 kW / 310 PS starke Benziner den Standardsprint, allerdings wirkt (und klingt) der Vierzylinder-Otto deutlich angestrengter als der Diesel. Das ist nicht neu, und wie in fast jedem jüngeren Volvos könnte man sich auch in dem mindestens 1,7 Tonnen schweren V60 einen souveränen V6-Motor gut vorstellen, der seinen vehementen Vortrieb statt durch eifriges Herunterschalten und Turbo-Druck mit der Kraft aus der Tiefe seines Hubraums erzeugt. Allein, die Schweden haben beschlossen, nur noch auf vier Brennkammern zu setzen – und die Geschichte wird ihnen wahrscheinlich recht geben. Zumindest, wenn sie es schaffen, mit ihrem Downsizing irgendwann auch in der Realität niedrige Verbräuche zu erzielen: Zwar nimmt sich der Otto im NEFZ "nur" siebeneinhalb Liter. Im neuen WLTP-Messzyklus sind es dagegen schon neun Liter – und wer ihn auf der Straße mit unter zehn Litern bewegt, legt nicht sonderlich viel Wert auf Fahrspaß.

Es passt viel rein

Den kann mit dem Kombi durchaus haben, und im Vergleich zum größeren V90 fühlt sich der Neue deutlich handlicher an. Anders als noch bei den ersten 90er-Modellen ist auch die Spreizung des optionalen, adaptiven Fahrwerks inzwischen ausgereift: Im Komfortmodus federt der V60 sanft, ohne unverbindlich zu werden, im Sport-Betrieb gibt er sich deutlich straffer, ohne unbequem hart zu sein. Vor dem Kurvenräubern sollte man allerdings prüfen, ob die Ladung gut gesichert ist, denn von der passt viel rein: Obwohl der V60 mit 4,76 Metern Länge 18 Zentimeter kürzer ist als sein großer Bruder V90, und in der Seitenansicht sportlich ansteigt, passen 529 bis 1.441 Liter in den Kofferraum – und damit mehr als in das SUV-Pendant XC60.

Der Rest ist weitgehend bekannt: Das Cockpit im neuen V60 bedient sich bekannter Bauteile, in der Mittelkonsole thront der große, hochkant eingebaute Touchscreen, es gibt virtuelle Instrumente, ein Head-up-Display, Massagesitze und natürlich Online-Zugang. Dazu kommen aufpreispflichtige Annehmlichkeiten wie das LED-Licht, zwei High-End-Soundsysteme, per Tastendruck im Kofferraum umlegbare Rücksitze, Apple-Car-Play-Anbindung, Panorama-Glasdach und eine ganze Batterie an Sicherheitssystemen. Hier haben die Schweden nochmal aufgerüstet: Der V60 bremst, wenn beim Rückwärts-Ausparken ein Unfall mit dem Querverkehr droht. Und auch wenn einem auf der eigenen Fahrspur ein Auto entgegenkommt – zum Beispiel weil sich jemand beim Überholen verschätzt hat – steigt der Kombi automatisch in die Eisen, um zumindest die Unfallschwere zu reduzieren.

 
 

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