Freitag, 13.12.2019
Verkehrsblatt IVW
29.11.2019

¬ Daimler-Sparkurs

Mehr als 10.000 Stellen fallen weg

Daimler streicht weltweit über 10.000 Stellen.
© Foto: picture alliance/REGIS DUVIGNAU/REUTERS

Von Nico Esch, dpa

Das Sparprogramm beim Autobauer Daimler wird in den kommenden drei Jahren weltweit mehr als 10.000 Arbeitsplätze kosten. Um wie geplant 1,4 Milliarden Euro beim Personal einzusparen, will der Stuttgarter Konzern in der Verwaltung vor allem freiwerdende Stellen nicht nachbesetzen, die Altersteilzeit ausweiten und Mitarbeitern Abfindungen anbieten. Entsprechende Eckpunkte zur "Verschlankung des Unternehmens", wie Daimler es am Freitag selbst formulierte, haben Konzernführung und Gesamtbetriebsrat ausgehandelt. Details sind noch rar, klar ist aber zumindest: Am Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2029 wird nicht gerüttelt.

Vorstandschef Ola Källenius hatte die Sparpläne Mitte November schon einmal grob skizziert, als er Investoren in London seine Strategie für die kommenden Jahre erläuterte. Am Freitag war es dann Personalvorstand Wilfried Porth, der verkünden musste, was das 1,4-Milliarden-Ziel konkret für die Arbeitsplätze bedeutet. "Mit den jetzt gemeinsam mit dem Betriebsrat beschlossenen Eckpunkten zur Verschlankung des Unternehmens können wir dieses Ziel bis Ende 2022 erreichen", sagte Porth und versprach, so sozialverträglich wie möglich vorzugehen.

Aus Sicht des Konzerns ist das Personal - gut 178.000 Leute allein in Deutschland - schon ganz grundsätzlich zu teuer, was die Wettbewerbsfähigkeit schmälert. Zugleich muss Daimler das nötige Geld zusammenbekommen für Investitionen in Zukunftsthemen wie die Elektromobilität oder das autonome Fahren - und das zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Jahresprognose nach unten korrigiert

Die weltweite Autokonjunktur lahmt, es gab Produktions- und Absatzprobleme, zudem musste der Konzern zuletzt Milliardensummen vor allem für seine Diesel-Altlasten zurücklegen. Auch die Einhaltung der strenger werdenden Vorgaben der EU für den Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) der Neufahrzeuge kostet viel Geld. Gleich zweimal musste Källenius, der erst im Mai den Vorstandsvorsitz von Dieter Zetsche übernommen hatte, die Jahresprognose für 2019 nach unten korrigieren. Im zweiten Quartal rutschte Daimler gar in die roten Zahlen.

Um das alles aufzufangen, will Källenius nicht nur beim Personal sparen. Auch die Materialkosten sollen runter, die Investitionen gekappt, die Modellpalette gestrafft und der ganze Laden effizienter aufgestellt werden.

Was das Personal angeht, müsse man vor allem auf das schauen, was sich kurzfristig realisieren lasse, sagte Porth. "Wir wollen diese 1,4 Milliarden ja in den nächsten drei Jahren einsparen." Er selbst sprach von einer niedrigen fünfstelligen Zahl an Arbeitsplätzen, um die es gehe - und zwar ausschließlich in den sogenannten indirekten Bereichen, also alles abseits der Produktion. Wie viele Jobs in Deutschland betroffen sein werden, blieb offen. Weltweit hat Daimler rund 300.000 Beschäftigte.

Mitarbeiter sollen Arbeitszeit reduzieren

Jede zehnte Management-Stelle im Konzern soll gestrichen werden. Auslaufende Verträge von Zeitarbeitern in der Verwaltung will der Konzern nun nur noch sehr restriktiv verlängern. Zudem sollen Mitarbeiter in der Regel nicht mehr die Möglichkeit bekommen, ihre Arbeitszeit von den üblichen 35 auf 40 Stunden zu erhöhen und entsprechend mehr Geld zu bekommen. Im Gegenteil: Eher sollen Mitarbeiter dazu gebracht werden, ihre Arbeitszeit noch weiter zu reduzieren. Und schließlich werde man sich auch von einigen "liebgewordenen Dingen aus der Vergangenheit" trennen müssen, sagte Porth. Als Beispiel nannte er den Anwesenheitsbonus für Mitarbeiter ohne Fehltage.

Mögliche Tarifsteigerungen in der Metall- und Elektroindustrie im kommenden Jahr nicht bei Daimler zu übernehmen, was Källenius zwischenzeitlich angedacht haben soll, ist dagegen laut Betriebsrat vom Tisch.

Trotzdem: Die Reaktionen der Arbeitnehmervertreter fielen am Freitag eher sorgenvoll aus. Der Abbau der Kapazitäten dürfe keinesfalls zu einer Leistungsverdichtung führen, hieß es. "Die Transformation zieht neue und zusätzliche Aufgaben für die Beschäftigten nach sich. Gleichzeitig verlangt die Unternehmensleitung nun, dass die Transformation mit weniger Personal gemeistert wird», sagte Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht.

Das Management müsse nun zeigen, was in Zukunft nicht mehr gemacht werden solle und wie die Komplexität reduziert werden solle. "Die Belegschaft braucht eine klare und nachvollziehbare Vorwärtsstrategie. Ein Abbau von Kapazitäten darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden", sagte Brecht.

 
 

Copyright © 1999 - 2019 by AUTO SERVICE PRAXIS Online (Foto: picture alliance/REGIS DUVIGNAU/REUTERS)

 


 
Zurück Artikel drucken Kommentar abgeben Heft-Abo
 
 
 

Kommentar verfassen

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

12.12.2019

¬ Neuron EV Torq

Neuron EV Torq

Konkurrenz für Teslas E-Truck

Elektrische Lkw könnten den Schadstoffausstoß im Straßengüterverkehr senken. Ein kalifornisches Start-up hat nun ein Fahrzeug vorgestellt. ¬ mehr

Preise Lithium-Ionen-Batterien Statista

Es bleibt teuer

Der Weltmarktpreis von Lithium-Ionen-Akkus sinkt von Jahr zu Jahr deutlich. Doch E-Autos werden nicht in gleicher Weise billiger. ¬ mehr

12.12.2019

¬ ZDK

Wilhelm Hülsdonk

Unsinnige Doppelprüfung gehört abgeschafft

Der ZDK schätzt, dass die Doppelprüfung von AU-Messgeräten zu einer Mehrbelastung von 8,5 Millionen Euro bei berechtigten AU-Werkstätten führt - und fordert somit die Abschaffung von Eichung und Kalibrierung. Er hat auch einen Vorschlag, wie sich die Doppelung vermeiden lässt. ¬ mehr

zum 7-Tage Rückblick

Frage der Woche


Beliebteste Inhalte

  • 06.12.2019 | Klimaziele im Verkehr

    Umweltbundesamt für drastische Maßnahmen

    Mario meint: Immer weiter so - Unsere Wirtschaft wird kollabieren....mehr

  • 21.11.2019 | Licht-Test 2019

    Weniger Blender und "Einäugige"

    R. Luft meint: Und wie sieht es bei den LKW's aus? Es ist seit geraumer Zeit zu beobachten, dass mehr und mehr ...mehr

  • 20.11.2019 | Abgasuntersuchung

    Doppelprüfung sorgt für Ärger

    Rudolf Pfister meint: Hallo zusammen,der Irrsinn geht weiter. Der VW-Konzern betrügt seine Kunden in massiver und vorsät...mehr

Newsletter

Immer gut informiert.

Der asp Newsletter informiert Sie werktäglich über die aktuellen Branchen-Geschehnisse. So erfahren Sie alle relevanten Infos. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Betriebssicherheit

Mitarbeiteranweisungen

Mitarbeiteranweisungen

Schnell vermitteltes Wissen zu wesentlichen Gefahrenquellen in der Werkstatt. ¬ mehr

Werkstattkatalog

asp_wki_box_60x60

Alles für die Werkstatt!

Einmalig umfangreicher
Überblick zum Angebot der Werkstattausrüster.

¬ Zum Werkstattkatalog

Springer Automotive Shop

"Der Autohaus-Chef"

Unternehmensführung für Realisten!

Der Klassiker der Autohaus-Literatur richtet sich an alle Unternehmer, die ihren Betrieb mit frischen Ideen führen wollen, ohne die Realität aus den Augen zu verlieren. ¬ Jetzt bestellen!