Dienstag, 18.06.2019
Verkehrsblatt IVW
25.04.2019

¬ Fahrbericht Kia e-Soul

Kasten mit Zukunft

Die dritte Generation wird in Deutschland nur noch mit E-Antrieb angeboten.
© Foto: Kia

zum Themenspecial Kleinstwagen

Von Peter Eck/SP-X

Als der Soul 2009 auf den Markt kam, wurde er ob seiner Form von vielen belächelt. Als Kia in der zweiten Generation ab 2014 auch eine Elektro-Version des kastigen Koreaners brachte, kamen einige Wettbewerber ob der relativ großen Reichweite bereits ins Grübeln. In der jetzt auf den Markt kommenden dritten Generation wird der Soul noch konsequenter. Er behält seine Schuhkarton-Grundform, wird aber optisch viel moderner und verspielter – und er setzt ausschließlich auf Elektroantrieb. Den gibt es in zwei Leistungsstufen mit 100 kW/136 PS (ab 33.990 Euro) und als stärkere sowie mit größerer Batterie versehene Variante mit 150 kW/204 PS (ab 37.790 Euro).

Die damit theoretisch erzielbaren Reichweiten hören sich gut an: Wer vor allem sparsam und auf nicht allzu langen Strecken unterwegs ist, wird sich mit der kleineren Version und deren 276 Kilometer Reichweite zufriedengeben. Wer ein höheres Budget zur Verfügung hat und/oder auch mal längere Strecken zurücklegen will, wird die knapp 4.000 Euro Aufpreis für die stärkere Version und deren höhere Reichweite von 452 Kilometer gerne drauflegen.

Dass Kia jetzt schon über einige Jahre Erfahrung mit E-Antrieben hat, merkt man dem E-Soul auf jedem Meter an. Dank der tief eingebauten Akkus verfügt er natürlich über die, speziell Elektrofahrzeugen vorbehaltene tolle Straßenlage. Aber er lenkt auch prächtig ein und spurtet leichtfüßig hoch – zumindest so bis 80, 90 Sachen. Danach wird es zäher und bei 155 beziehungsweise 167 km/h ist schon Schluss mit weiterer Beschleunigung. Macht nichts, wer allzu schnell fährt, sieht den Stromvorrat eh viel zu schnell schmelzen. Gewöhnen muss man sich, ebenfalls nichts Besonderes bei einem E-Auto, an das etwas synthetische Bremsgefühl. Aber das Bremsen auf herkömmliche Art und Weise kann man sowieso bei aufmerksamer Fahrweise weitgehend vermeiden. Es gibt ja über Schaltwippen einstellbare verschiedene Stufen der Rekuperation, also der Rückgewinnung von Bremsenergie. Damit zu spielen macht zunächst Spaß, nach einigen Kilometern überlässt man das aber gerne der Automatik-Einstellung. Das System orientiert sich am vorausfahrenden Verkehr und wählt die richtige Betriebsart aus.

Ansonsten ist der E-Soul im besten Sinne ein normales E-Auto, die gleiche Technik kommt übrigens auch im SUV-Schwestermodell E-Niro zum Einsatz. Wenn der Stromvorrat des Akkus zu Ende geht, gelten auch beim E-Soul die üblichen Gesetze der Auflade-Physik. Heißt: An einer Schnellladestation mit 100 kWh kann der Soul in rund 40 Minuten von 20 auf 80 Prozent geladen werden.

Wo sich der Soul von manchen Wettbewerbern – so viele gibt es in der 4,20-Meter-Klasse allerdings nicht – unterscheidet, ist seine gelungene Mischung aus Alltagstauglichkeit und optischem Pfiff. So genießt man auch hinten für ein Auto dieser Klasse eine ungewöhnlich großzügige Kopf- und Beinfreiheit. Das Kofferraumvolumen fällt mit 350 Litern nicht allzu groß aus, kann aber bei Verzicht auf Fondpassagiere und dachhoher Beladung auf bis zu 1.340 Liter erweitert werden. Der Einstieg gelingt auch hinten leicht – auch hier unterscheidet sich der Koreaner von manchen Wettbewerbern.

Stylish trotz Kastenform

Von außen wirkt der Fünftürer trotz seiner im Grund beibehaltenen Kastenform stylish, vor allem durch seine sehr schmalen, manche werden sagen verkniffenen LED-Scheinwerfer. Innen gibt es ein großes 10,25-Zoll-Display und eine klare Bedienstruktur. Lediglich bei einem genaueren Blick auf die gut verarbeiteten Materialien zeigt sich, dass ein E-Auto zu diesem Preis nicht einfach zu verwirklichen ist: Unterhalb des Kniebereichs wirken die Materialen deutlich billiger als im sichtbaren Umfeld. Aber das ist nicht wirklich ein Beinbruch.

Eher schon, dass der E-Soul zwar ab sofort zu kaufen ist, tatsächlich aber ein Erwerber lange Lieferzeiten in Kauf nehmen muss. Kia spricht offiziell von mindestens neun Monaten, man muss aber eher wohl mit mindestens einem Jahr rechnen. Also: Das alte Auto nicht zu früh verkaufen! 

 
 

Copyright © 1999 - 2019 by AUTO SERVICE PRAXIS Online (Foto: Kia)

 


 
Zurück Artikel drucken Kommentar abgeben Heft-Abo
 
 
 

Kommentar verfassen

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

Hyundai Santa Fe Totwinkelassistent

Hyundai Santa Fe bekommt Monitor

Nach dem Nexo stattet Hyundai auch den Santa Fe mit einem Monitor für den Totwinkelassistenten aus. Die Kameras des Systems erfassen Bereiche, die mit herkömmlichen Rück- oder Seitenspiegeln nicht einsehbar sind. ¬ mehr

Bilder 18.06.2019

¬ Renault Zoe

Upgrade für den Elektro-Bestseller

Bislang musste sich der Renault Zoe nur gegen wenig Konkurrenz durchsetzen und zählt zu den Bestsellern am Elektro-Markt. Doch so langsam rücken ihm die Mitbewerber auf die Pelle. Mit einem umfangreichen Upgrade will sich der Franzose nun gegen Peugeot 208-e, Opel E-Corsa und die Volkswagen-Stromer wappnen. ¬ mehr

Contidrom Continental

Contidrom online besuchen

Ab sofort kann das Contidrom, die Teststrecke von Continental, online besucht werden. "Besucher" können einen virtuellen Rundgang machen und unterschiedliche Versuche in vielen Filmen sehen. ¬ mehr

zum 7-Tage Rückblick

Modellplaner 2019

Der Modellplaner unserer Kollegen von "Autoflotte" bietet Ihnen alle Neuheiten, Facelifts und neuen Motorisierungen auf einen Blick! ¬ mehr

Newsletter

Immer gut informiert.

Der asp Newsletter informiert Sie werktäglich über die aktuellen Branchen-Geschehnisse. So erfahren Sie alle relevanten Infos. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Spezial

R-1234yf

R-1234yf

Chronologie der Diskussion um das neue Klimaanlagen-Kältemittel. ¬ zur Spezialseite

Rückrufdatenbank

Aktionen der Automobilhersteller und Importeure seit 2001,
sortierbar nach Marken und Zeitraum.
¬ Zur Übersicht

Branchenrecht


Werkstattkatalog

asp_wki_box_60x60

Alles für die Werkstatt!

Einmalig umfangreicher
Überblick zum Angebot der Werkstattausrüster.

¬ Zum Werkstattkatalog