Sonntag, 22.09.2019
Verkehrsblatt IVW
Junge Gründer Teil 2

"Glücklich wie nie zuvor"

'Glücklich wie nie zuvor'
Bildausschnitt des Originalartikels
© AUTO SERVICE PRAXIS

Schon als Kleinkind war Atila Ormanlar von Motorrädern und Autos fasziniert. Nach einem Abstecher in die Filmwelt hat der Kfz-Meister jetzt eine eigene Werkstatt in Hallbergmoos gegründet.

Es herrscht ein geschäftiges Treiben in dem neu eröffneten Kfz-Betrieb "Auto Hallberg" in Hallbergmoos. Mindestens zu zehnt wird geräumt, geschraubt, Kabel werden verlegt, Lampen angebracht etc., kurz: die Werkstatt auf Vordermann gebracht. Dabei war diese schon vor Atila Ormanlar voll ausgestattet. Aber der neue Besitzer will, dass sich die Kunden wohlfühlen. Mehr als das, Atila Ormanlar will, "dass der Kunde zur Tür reinkommt und sagt: Wow! Dass er begeistert ist". Ein Stück weit will er die Kunden vielleicht mit seiner Begeisterung anstecken.

Vom Film in die Werkstatt

Schon als kleiner Junge war der heute 33-Jährige fasziniert von Autos und Motorrädern. Seit seinem 15. Lebensjahr hat er in seiner Freizeit viel an Fahrzeugen geschraubt. Konsequenterweise machte er nach dem Fachabitur eine Kfz-Ausbildung und wurde von seinem Ausbildungsbetrieb, einem VW/Audi-Autohaus übernommen. Doch schon damals hatte Atila Ormanlar, der aus einer Familie von Selbstständigen stammt, eigene Vorstellungen, die zu Meinungsverschiedenheiten und schließlich zum Bruch mit dem Chef führten. "Nach meiner Kündigung habe ich übergangsweise im Einzelhandel gearbeitet und anschließend meinem Vater zuliebe, der selbst Filmproduzent und Kameramann war, eine Ausbildung in diesem Bereich gemacht", erzählt er. Es folgte ein Exkurs in die Filmwelt. Als selbstständiger Kameramann war er weltweit unterwegs und machte sogar ein halbes Jahr Station in Hollywood. Zurück in Deutschland arbeitete er vier Jahre im Bereich Filmequipment im Vertrieb. Nachdem sich sein letzter Arbeitgeber im Herbst 2016 jedoch betriebsbedingt von ihm trennen musste, zog es Atila Ormanlar wieder zurück in die Kfz-Branche.

"Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon seit zwei Jahren ein Nebengewerbe im Kfz-Teilehandel, vor allem im Bereich Umbauten und Tuning. Ich wusste, wenn ich das Vollzeit machen will, brauche ich den entsprechenden Nachweis", erinnert sich der 33-Jährige. Der Entschluss war schnell gefasst und nach 14 Monaten hatte er die Vollzeit-Ausbildung zum Kraftfahrzeugtechnikmeister und zum Betriebswirt absolviert.

Jetzt musste nur noch die eigene Werkstatt her. Denn eines war klar: Atila Ormanlar wollte sich nicht mehr anstellen lassen. "Das ist nicht das Richtige für mich. Ich habe meine eigenen Vorstellungen, die ich verfolgen muss, sonst bin ich nicht glücklich." Doch weder bei der bundesweiten Betriebsbörse Nexxtchange, der Börse der Handwerkskammer München, noch bei Ebay Kleinanzeigen fand er einen geeigneten Betrieb. "Ich habe mir bestimmt zehn Werkstätten angesehen. Aber ich wollte nichts machen, was nicht 100 Prozent passt", erzählt er. Also suchte er weiter und fragte Freunde und Bekannte - auch seinen Versicherungsfachmann. Dieser hat sein Büro im gleichen Gebäude wie die Kreishandwerkerschaft Freising und kam zufällig mit dem zuständigen Betriebsberater Christoph Molocher ins Gespräch. Dieser erinnert sich: "Ich war eigentlich da, um über eine meiner Versicherungen zu reden, als wir darauf kamen, dass er jemanden kennt, der eine Werkstatt sucht und ich einen Freund habe, der seine Werkstatt eventuell abgeben möchte. Da haben wir kurzerhand den Kontakt hergestellt."

Ende Februar kam es zum ersten Treffen. Clemens Asam, Geschäftsführer der damaligen Asam Service GmbH, und Atila Ormanlar verstanden sich auf Anhieb gut. Man vereinbarte ein zweiwöchiges Probearbeiten. "In der Zeit konnte ich mir den Betrieb und die Kundenfluktuation anschauen. Nach den zwei Wochen habe ich entschieden, dass ich es mache", so Atila Ormanlar. Clemens Asam, der bereits seit 25 Jahren an dem Standort tätig war, beschloss den Betrieb abzugeben.

Fließender Übergang

Im Vorfeld der Übernahme erhielt Atila Ormanlar dabei viel Unterstützung von Christoph Molocher, Betriebsberater bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Gemeinsam wurde unter anderem ein Businessplan erstellt und der Gründungszuschuss beantragt. Bezüglich des Verkaufspreises für das Werkstattinventar wurden sich der Vorbesitzer und Atila Ormanlar schnell einig. Aufgrund eines Wohnungsverkaufs verfügte der 33-Jährige glücklicherweise über ein gewisses finanzielles Polster. Die GmbH übernahm er nicht, da er den Betrieb zum Stichtag 1.4.2018 als Einzelunternehmer weiterführt ( siehe auch Interview Seite 44). Um eine reibungslosere Übergangsphase zu gewährleisten, ist der Vorbesitzer jedoch noch für ein paar Monate mit im Betrieb. Je nachdem wie es läuft, vielleicht auch für länger. Das ist für alle Beteiligten von Vorteil, auch die Kunden können sich so an den Besitzerwechsel gewöhnen. "So lange die Qualität stimmt und der Preis nicht steigt, ist alles gut", fasst Atila Ormanlar die Rückmeldungen zusammen.

Und obwohl er noch keine Werbung oder Ähnliches gemacht hat, kann er sich nicht über zurückgehende Werkstattdurchgänge beklagen, aktuell habe er eineinhalb bis zwei Wochen Vorlauf. Ab Juni erhält er zudem Unterstützung von einem Kfz-Meister. Denn Atila Ormanlar will möglichst schnell einen gewohnten Ablauf in den Betrieb bekommen. Oder vielmehr einen neuen. Denn er hat einiges geändert. Angefangen vom Entsorgungskonzept über das IT-System und die Werkstattausrüstung bis hin zum äußeren Erscheinungsbild. Bei den zahlreichen Umbauarbeiten haben ihn gute Freunde, Bekannte und seine Familie tatkräftig unterstützt.

Zweites Standbein

Neben der zukunftsfähigen Ausstattung - unter anderem wurde ein neuer 3D-Achsmessstand, ein FAS-Kalibrierset für die VAG-Gruppe sowie ein neuer Bremsprüfstand bestellt - ist dem Werkstattinhaber ein durchgehendes Erscheinungsbild wichtig. So tauchen die Farben des von einem Grafikdesigner entworfenen Firmenlogos auch in der Werkstatt und im Warteraum wieder auf. "Zudem wird es passende Visitenkarten, einen beklebten Werkstattersatzwagen, Arbeitskleidung sowie natürlich eine Webseite, Facebook und Instagram geben. Ohne Internet geht es heute nicht mehr, vor allem in der Tuningszene", ist Atila Ormanlar überzeugt. Denn die Umbauten und Tuninggeschichten, die er schon seit zwei Jahren nebenberuflich gemacht hat, will er weiter anbieten. "Bei diesen Arbeiten entsteht etwas Neues, das macht unheimlich viel Spaß", erzählt er begeistert. Nach dem Motto seines Vaters "nie nur ein Standbein", soll der Betrieb so auf zwei Säulen stehen: klassische Service- und Reparaturarbeiten sowie Tuning, Umbauten und Leistungssteigerungen. "Und wer weiß, was als Drittes noch dazukommt", sagt Atila Ormanlar zwinkernd. Bei der Energie, die er ausstrahlt, glaubt man ihm das sofort.

Kurzfassung

Atila Ormanlar hat mit 33 Jahren eine eigene Werktstatt gegründet. Das Besondere: Auto Hallberg ist nicht nur eine klassische freie Kfz-Werkstatt, sondern auch auf Umbauten, Tuning und Leistungssteigerungen spezialisiert.

Mein Tipp für Jung-Unternehmer

Sich sicher sein und gut planen"Das Allerwichtigste ist das Bauchgefühl. Wenn das nicht stimmt, sollte man es lassen. Denn man muss langfristig viel Zeit investieren. Und es sollte einen glücklich machen, sonst kann man diese Energie nicht aufbringen. Auch eine gute Planung ist sehr wichtig, zum Beispiel mit Ablaufplan: wer ist wofür zuständig, wann muss was gemacht und kontrolliert werden."Atila Ormanlar ist seit 1.4.2018 Inhaber der freien Kfz- Werkstatt "Auto Hallberg" in Hallbergmoos.

Autor: Valeska Gehrke

 
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