Sonntag, 21.07.2019
Verkehrsblatt IVW
06.06.2019

¬ ZF

Erster Außen-Airbag für den Seitenaufprall

ZF Außenairbag

ZF entwickelt einen Außen-Airbag.
© Foto: ZF

Von Peter Maahn/SP-X

Früher starteten hier Messerschmitt-Jagdflieger, später dann die unglückseligen "Starfighter" der Bundeswehr. Jetzt stand der ehemalige Militärflugplatz am Rande der Allgäu-Metropol Memmingen wieder im Blickpunkt. Diesmal ging es nicht um Zerstörung, sondern um die Rettung von Menschenleben. Der Technologie-Riese ZF präsentierte den erstmals geglückten Einsatz eines Außen-Airbags. Ein großer Luftsack also, der sich im Falle eines Seitencrashs zwischen den beiden Unfallgegner entfaltet und so den Aufprall abfedert. Bis zu 40 Prozent Minderung der Unfallfolgen eines seitlichen Zusammenstoßes sollen so erreicht werden.

Der Opel Insignia sieht genau aus wie Tausende von gleichartigen Kombis aus Rüsselsheim. Das Besondere steckt im Schweller, dem "Trittbrett" unterhalb der Türen. Hier haben die Tüftler von ZF ihre neueste Erfindung versteckt. Einen länglichen Airbag, der aus drei kleineren Exemplaren zusammengesetzt ist, wie sie heute in allen Autos zu finden sind. Sollte sich seitlich ein anderes Auto nähern und ein Unfall nicht mehr vermeidbar sein, wird der Airbag wenige Millisekunden vor dem Aufprall geöffnet und verhilft der weichen Seite des Opel zu einer Art Sicherheitskragen.

ZF Außenairbag
ZF Außenairbag
ZF Außenairbag
ZF Außenairbag

In einem Versuch auf dem Flugfeld demonstrierte ZF die Wirksamkeit. Nötig dafür sind natürlich künstliche Augen und Sinne, die rundum das Geschehen im Blick haben. Kameras, Radar und sogenannte "Lidar"-Sensoren, einer Kombination aus Laser und Radar, erkennen schon früh die Gefahr, die sich da von rechts nähert: eine Autoattrappe, die beharrlich auf einen unheilbringenden Treffpunkt Blech gegen Blech zusteuert. Der Bordcomputer beginnt seine Rechenarbeit. Mit welchem Tempo nähert sich der "Feind", wo und in welchem Winkel wird er bei gleichbleibender Geschwindigkeit auf den Versuchs-Opel treffen? Fragen, zu deren Berechnung die ein Mensch Stunden bräuchte. Der elektronische Beifahrer erledigt das in der Zeit eines Wimpernschlags.

Die Idee, auch das ganze Auto durch einen Luftsack zu schützen, hat einen ernsten Hintergrund: Fast 700 Menschen verlieren in jedem Jahr ihr Leben bei einem Seitenaufprall. "Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass unser Außen-Airbag die Verletzungen der Insassen um bis zu 40 Prozent verringern kann, vor allem schwere Schädigungen im Bereich des Brustkorbs", sagt Uwe Class, Sicherheitsexperte bei ZF. Natürlich muss der neue Airbag mit seinen bekannten "Kollegen" innerhalb des Autos eng zusammenarbeiten, im Gleichschritt mit dem Geschehen außerhalb agieren. Denn das eigene Auto wird vom Unfallgegner einen Hauch früher "getroffen", wenn sich der Airbag entfaltet hat. Entsprechend müssen die Innenairbags ebenfalls früher zünden.

Noch ist das System nicht serienreif, da noch heftig an der Wirksamkeit und dem Aufgabenfeld der vielen Sensoren gefeilt wird. Denn vor allem im dichten Stadtverkehr muss die Technik unzählige mögliche Gefahren im Blick haben, muss sie bewerten und reagieren. Auch ZF rechnet mit aufwändiger Entwicklungsarbeit. Da sich die Fähigkeiten der Sensoren praktisch von Monat zu Monat verbessern, könnte der Airbag fürs ganze Auto schneller Realität werden als heute vorstellbar.

 
 

Copyright © 1999 - 2019 by AUTO SERVICE PRAXIS Online (Foto: ZF)

 


 
Zurück Artikel drucken Kommentar abgeben Heft-Abo
 
 
 

Kommentar verfassen

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

19.07.2019

¬ Turbolader

Motair-Continental-Distribution

Motair ist Continental-Distributor

Continental hat sich dafür entschieden, Motair als Turbolader-Distributor für Deutschland zu autorisieren. Damit wächst das Produktspektrum bei Motair deutlich an. ¬ mehr

Hypercar Lotus Evija

Comeback mit 2.000 PS

Neue Impulse vom Sportwagenhersteller Lotus waren über viele Jahre selten. Doch jetzt melden sich die Briten dank des neuen Mehrheitseigners Geely mit einer spektakulären Neuheit zurück. ¬ mehr

Protean 360-Grad-Lenkung

Gerne auch quer

Protean entwickelt elektrische Radnabenantriebe. Jetzt gehen die Briten einen Schritt weiter und integriereen in ihre Antriebsmodule auch Lenkung und Fahrwerk. ¬ mehr

zum 7-Tage Rückblick

Frage der Woche


Beliebteste Inhalte

  • 09.07.2019 | Neuauflage BMW X6

    Schick statt praktisch

    R. Luft meint: Allein die Überschrift zeigt, dass die Autoindustrie (damit meine ich alle, die im weitesten Sinne ...mehr

  • 04.07.2019 | BGH-Urteil

    DUH darf weiter klagen und abmahnen

    Betroffener meint: Das Urteil ist ausgefallen wie es zu erwarten war. Wenn das Gericht feststellt, dass die DUH nicht g...mehr

Newsletter

Immer gut informiert.

Der asp Newsletter informiert Sie werktäglich über die aktuellen Branchen-Geschehnisse. So erfahren Sie alle relevanten Infos. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Betriebssicherheit

Mitarbeiteranweisungen

Mitarbeiteranweisungen

Schnell vermitteltes Wissen zu wesentlichen Gefahrenquellen in der Werkstatt. ¬ mehr

Werkstattkatalog

asp_wki_box_60x60

Alles für die Werkstatt!

Einmalig umfangreicher
Überblick zum Angebot der Werkstattausrüster.

¬ Zum Werkstattkatalog

Springer Automotive Shop

Entdecken Sie Quirin!

In der Neuerscheinung "Die Quirin-Formel" zeigt Ihnen Dr. Andreas Block, welche zentralen Bausteine erfolgreiche Autohäuser gemein haben. ¬ Jetzt bestellen!