Mittwoch, 19.06.2019
Verkehrsblatt IVW
28.05.2019

¬ Honda CR-V

Elektrisch oder doch lieber konventionell?

Der Vebrenner treibt einen Generator an, der elektrische Energie für den E-Motor erzeugt.
© Foto: Honda

Von Peter Maahn/SP-X

In der Zwitter-Technik namens Hybrid scheiden sich die Geister. Für die einen ist die Kombination aus althergebrachtem Verbrennungsmotor mit einem zusätzlichen Elektroantrieb der Heilsbringer, der vor allem dicken SUV ihren oft unmäßigen Durst abgewöhnt. Kritiker halten das dagegen für einen Irrweg. Die Methode ist nicht wirklich effektiv, da nach wie vor der Benzinmotor das Kommando hat, sein elektrischer Helfer lediglich ein Feigenblatt sei. Der auf dem Papier deutlich niedrigere Verbrauch sei in der Praxis ohnehin kaum zu erreichen. Kein Wunder, dass Autos mit dieser Technik nicht auf staatliche Förderung hoffen dürfen. In Summe ist für die schweren und großen Modelle wie eben die SUV-Riesen meist ein moderner Diesel immer noch die bessere Wahl.

Honda aber hat den Diesel aus seinem 4,60 Meter langen Flaggschiff CR-V allerdings verbannt, setzte dagegen zunächst auf einen mit 1,5 Liter Hubraum recht kleinen Turbobenziner, der mit 127 kW / 173 PS ordentlich im Saft steht und mit einem Schnittverbrauch von rund 6,5 Litern auf 100 Kilometer nach neuer Norm nicht zu den hemmungslosen Säufern gerechnet werden muss. Wozu dann also ein weiteres Modell mit elektrischer Unterstützung? "Weil wir mit dem Hybrid noch effektiver unterwegs sein können", sagt Ingenieur Kotaso Yamamoto. "Dazu haben wir eine Methode entwickelt, die sich von ähnlichen Techniken wesentlich unterscheidet."

In der Tat geht Honda bei seinem Mix-Antrieb seinen eigenen Weg. Der Zweiliter-Benziner dient als eine Art Kraftwerk, schickt seine Energie nicht direkt an den Elektromotor, sondern wählt einen Umweg. Er treibt nämlich einen Generator an, der elektrische Energie erzeugt, die an den eigentlichen E-Motor weitergeleitet wird. Streng genommen hat so ein CR-V also am Ende der Kraft-Kette einen elektrischen Antrieb und kann auf ein klassisches Getriebe verzichten. Nur wenn der Fahrer per Knopfdruck in den Sportmodus schaltet, wird eine direkte Verbindung zwischen Benzinmotor und den Antriebsrädern hergestellt. Yamamoto erklärt: "Der Fahrer des CR-V kann also die Vorteile eines Elektromotors nutzen, stufenlos beschleunigen und sich über gut 100 Newtonmeter mehr Durchzugskraft freuen als im herkömmlichen Modell." In Zahlen: Der Fünftürer ohne Hybrid kommt auf 220 Newtonmeter, das in Summe 135 kW / 184 PS starke High-Tech-Modell auf 315.

Natürlich ist beim Hybrid-Modell auch eine Batterie an Bord, die allerdings recht klein ausgefallen ist. Sie wird entweder von überschüssiger Leistung des Benziners versorgt, wird aber auch durch Rekuperation (beim Bremsen oder Gaswegnehmen) aufgeladen. Per Knopfdruck kann dem Honda befohlen werden, rein elektrisch unterwegs zu sein. Dann wird der Benziner samt Generator abgeschaltet, der E-Motor nur aus der Batterie mit Strom versorgt. Leider kommt dieser CR-V gerade mal zwei Kilometer weit, bevor sein Energiespender wieder helfend eingreifen muss. Zu wenig, um eine künftige, abgasfreie Umweltzone zu durchqueren.

Für längere Distanzen reines Stromern sind diese "milden" Hybride mit ihren eher bescheidenen Batterien nicht geeignet. Hier müsste ein sogenannter Plug-in-Hybrid her, dessen große Batterie auch an einer Ladesäule mit Energie versorgt werden kann. Die Reichweite mit dieser aufwendigen Technik liegt dann zwischen 30 und 50 Kilometern. Honda hat solche Steckdosen-Modelle in Europa nicht im Programm, bietet aber in den USA eine Limousine namens Clarity mit "Plug-in" an. Deren elektrische Reichweite beträgt immerhin rund 75 Kilometer.

Ein Liter weniger Verbrauch als beim Verbrenner-Pendant

Segnungen, die dem CR-V versagt bleiben. Ingenieur Yamamoto verweist dennoch vehement auf die Vorteile des Hybrid-Honda. "Vor allem im Stadtverkehr haben wir einen hohen Anteil an elektrischen Fahrten, was sich dann auf dem Durchschnittsverbrauch positiv auswirkt." Der liegt nach neuer Norm mit 5,3 Litern übrigens gerade mal einen Liter auf 100 Kilometer unter dem seines stromlosen Schwestermodells. Dafür muss der Fahrer aber bei der Höchstgeschwindigkeit Einbußen in Kauf nehmen. Bei 180 km/h ist Schluss für den Hybrid (gegenüber 210 km/h). Dafür beschleunigt das Hybrid-Modell um eine halbe Sekunde schneller auf Tempo 100.

Unterm Strich bleibt die Frage, ob sich der technische Aufwand wirklich lohnt? Honda setzt jedenfalls auf diese Methode, will sie auch in der Zukunft nutzen. Bis 2025 sollen alle Modelle "elektrifiziert" werden. Und der "Hybrid mit Generator" soll dabei eine wichtige Rolle spielen.

 
 

Copyright © 1999 - 2019 by AUTO SERVICE PRAXIS Online (Foto: Honda)

 


 
Zurück Artikel drucken Kommentar abgeben Heft-Abo
 
 
 

Kommentar verfassen

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

Hyundai Santa Fe Totwinkelassistent

Hyundai Santa Fe bekommt Monitor

Nach dem Nexo stattet Hyundai auch den Santa Fe mit einem Monitor für den Totwinkelassistenten aus. Die Kameras des Systems erfassen Bereiche, die mit herkömmlichen Rück- oder Seitenspiegeln nicht einsehbar sind. ¬ mehr

Bilder 18.06.2019

¬ Renault Zoe

Upgrade für den Elektro-Bestseller

Bislang musste sich der Renault Zoe nur gegen wenig Konkurrenz durchsetzen und zählt zu den Bestsellern am Elektro-Markt. Doch so langsam rücken ihm die Mitbewerber auf die Pelle. Mit einem umfangreichen Upgrade will sich der Franzose nun gegen Peugeot 208-e, Opel E-Corsa und die Volkswagen-Stromer wappnen. ¬ mehr

Contidrom Continental

Contidrom online besuchen

Ab sofort kann das Contidrom, die Teststrecke von Continental, online besucht werden. "Besucher" können einen virtuellen Rundgang machen und unterschiedliche Versuche in vielen Filmen sehen. ¬ mehr

zum 7-Tage Rückblick

Modellplaner 2019

Der Modellplaner unserer Kollegen von "Autoflotte" bietet Ihnen alle Neuheiten, Facelifts und neuen Motorisierungen auf einen Blick! ¬ mehr

Newsletter

Immer gut informiert.

Der asp Newsletter informiert Sie werktäglich über die aktuellen Branchen-Geschehnisse. So erfahren Sie alle relevanten Infos. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Spezial

R-1234yf

R-1234yf

Chronologie der Diskussion um das neue Klimaanlagen-Kältemittel. ¬ zur Spezialseite

Rückrufdatenbank

Aktionen der Automobilhersteller und Importeure seit 2001,
sortierbar nach Marken und Zeitraum.
¬ Zur Übersicht

Branchenrecht


Werkstattkatalog

asp_wki_box_60x60

Alles für die Werkstatt!

Einmalig umfangreicher
Überblick zum Angebot der Werkstattausrüster.

¬ Zum Werkstattkatalog