Sonntag, 21.07.2019
Verkehrsblatt IVW
Werkstatt-Systeme

Digitalisierung mit Konzept

Digitalisierung mit Konzept
Der Großhandel steckt viel Energie in den Ausbau seiner Werkstattsysteme.
© Foto: Foto: WM SE, Bosch, PV Automotive

Der Großhandel steckt viel Energie in den weiteren Ausbau seiner Werkstattsysteme. Mit zentral gesteuerten Servicebausteinen sollen die Partnerwerkstätten auf digitalisierte Geschäftsmodelle vorbereitet werden.

Der Großhandel mit seinen Werkstattkonzepten und die angeschlossenen Partnerbetriebe stehen vor einer großen Herausforderung: Es geht darum, die Servicebetriebe in eine digitale Zukunft zu führen, wo ganz neue Spielregeln der Kundengewinnung und Kundenbindung gelten.

Es verwundert daher nicht, dass digitale Tools an erster Stelle stehen, wenn man die Konzeptgeber nach wichtigen Zukunftsprojekten fragt. Services zur Programmierung und zum Hosting von Webseiten der Werkstattpartner, Pflege von Social-Media-Aktivitäten samt Platzierung auf allen wichtigen Suchportalen sowie das Management von Onlinebewertungen zählen zu aktuellen Service-Bausteinen in den Konzepten. Am Horizont zeichnet sich ab, dass die Konzepte über kurz oder lang auch die Infrastruktur für die Verarbeitung von Fahrzeugdaten installieren werden. Noch sind sie hier auf der Suche nach funktionierenden Geschäftsmodellen.

Blick auf Online-Bewertungen

Axel Birngruber, Leiter Werkstattkonzepte WM SE, konnte mit seinem Team im vergangenen Jahr einige neue Features für die WM SE Werkstattkonzepte auf den Werkstattmessen vorstellen. "Wir bieten den Partnerwerkstätten gemeinsam mit unserem Dienstleister ein Onlinemarketing-Paket an, das sehr gut angenommen wird", erklärt Birngruber. Durch professionelle Profile auf allen wichtigen Online-Portalen, sozialen Netzwerken und digitalen Branchenverzeichnissen kommen Werkstätten auf diesem Wege an neue Kunden. Birngruber: "Inhaber, die sich gar nicht mit dem Thema beschäftigen wollen, legen es komplett in die Hand des Dienstleisters. Der sorgt dafür, dass alle Informationen stets auf dem aktuellsten Stand sind."

Zu den neuen Services gehört beispielsweise auch der Online-Kunden-Turbo - das Social Media-Paket für freie Werkstätten und die technische Hotline, die zusammen mit Bosch realisiert wird, sowie das Engagement beim Thema Mitarbeitergewinnung und Ausbildung. "Die Präsenz der Werkstattkonzepte im Kopf der Autofahrer zu erhöhen ist ein Bestandteil der zukünftigen Unterstützung unserer WM-Werkstattpartner", fasst Birngruber die Aktivitäten zusammen.

Bei der Einkaufskooperation ATR, zu der unter anderem auch Stahlgruber gehört, liegen die Dinge ähnlich. Das Thema Onlinemarketing steht ganz weit oben auf der Agenda, bestätigt Thomas Sülzle, Leiter Marketing Services bei der ATR Service GmbH. Thomas Sülzle: "Wir sagen ganz klar, die Werkstatt muss heute einen Internetauftritt haben und wir bieten dazu modulare Pakete in Kooperation mit einer Agentur an. Wenn die Werkstatt schon einen professionellen Webauftritt hat, kann der natürlich weiter verwendet werden, sofern dieser den rechtlichen Anforderungen, insbesondere zum Datenschutz, entspricht." Doch die Unterstützung geht noch weiter und betrifft Social-Media-Aktivitäten. "Wir unterstützen den Facebook-Auftritt jede Woche mit zwei Posts, die ein Social-Media-Team einer Agentur erstellt. Derzeit haben wir rund 150 Abos für das Social-Media-Paket. Das sorgt für einen grundlegenden Traffic bei Facebook. Die Werkstatt sollte das durch eigene Aktivitäten ergänzen", erklärt Sülzle.

Noch wichtiger ist das Thema Bewertungsmarketing bei ATR. "Jeder kann heute über Google bewertet werden, wir haben hier mit einem namhaften Dienstleister eine Lösung entwickelt, die dem Betrieb einen Überblick über seine Bewertungen im Internet gibt", erklärt Sülzle. Partnerbetriebe können sich einloggen und erhalten einen Überblick über alle Bewertungen, die auf Bewertungsportalen abgegeben wurden. Werkstätten erhalten sogar eine aktive Benachrichtigung, wenn eine schlechte Bewertung aufgelaufen ist. Sülzle: "Wir lassen die Betriebe mit dem Thema nicht alleine. Viele Betriebe sind da noch verunsichert und wissen nicht, wie sie mit dem Thema Bewertungen umgehen können."

Die ATR stellt den Partnerbetrieben zusätzlich ein Tool zur Verfügung, über welches Werkstattkunden gleich selbst Bewertungen abgeben können. Sülzle: "Wir empfehlen den Betrieben, die Anwendung auf ein Tablet zu spielen und den Kunden direkt im Anschluss an den Werkstattbesuch um eine Bewertung zu bitten. Damit kann man die Bewertungen sehr gut steuern. Diese Bewertungen sind dann auch für Google zertifiziert." Außerdem bietet ATR den Betrieben an, über einen Dienstleister den Google Mybusiness Account und Einträge in viele weitere Online-Verzeichnisse zu pflegen. Sülzle: "Da geht es um die korrekten Öffnungszeiten oder die korrekten Kontaktdaten. Wir erledigen alle notwendigen Schritte. Dadurch, dass wir das für viele Werkstätten buchen, erzielen wir natürlich über die Menge günstige Preise."

Noch relativ jung ist da Konzept "Ok Car Service", das die Automotive Alliance Group 2016 an den Start gebracht hat. Darin sollten jene Betriebe eine Heimat finden, die vorher von den Großhändlern Busch und Büge bedient wurden, die ehemals der Kooperation Select angehörten und jetzt zur Automotive Alliance Group gehören. Man wolle das System jetzt noch mehr zu einem digitalen System ausbauen, erklärte Thomas Schmitz, Teamleiter Zentrales Marketing der Alliance Automotive Service GmbH.

Im Werkstattsystem Motoo von Großhändler Hess wird ein Baukastensystem für den Internetauftritt zur Verfügung gestellt, mit dessen Hilfe sich die Betriebe auf ihre Ausrichtung hin einen passenden Internetauftritt im Motoo-Design zusammenstellen können. Motoo ist als Werkstattsystem außerdem bei Facebook vertreten. Viele Motoo-Werkstätten nutzen diese Plattform auch für ihre Betriebe.

Teilegroßhändler Coparts aus Essen arbeitet ebenfalls an digitalen Themen, wie Michael Klüglich, Systemleiter für Werkstattsysteme, bestätigt. "Das Thema Onlinemarketing wird für Servicebetriebe immer wichtiger. Wenn ein Betrieb im Netz nicht adäquat vertreten ist, verschenkt er viele Chancen", ist Klüglich überzeugt. Die eigene Webseite sei heute die wichtigste Visitenkarte.

Die Systemzentrale übernimmt daher auch das Hosting der Webseiten. Wir erwarten von der Webseite der Partnerbetriebe bestimmte Standardbausteine wie Öffnungszeiten, Kontaktdaten oder Leistungsübersicht. "Dafür stellen wir Standards zur Verfügung. Darüber hinaus können und sollen die Betriebe aber auch individuelle Inhalte auf der Webseite verwirklichen." Die Gestaltung der Webseite funktioniert über einen Baukasten, die Betriebe können durch einfaches Anklicken der gewünschten Elemente das selbst auswählen. Damit könne eine professionelle Webseite, die auch auf mobilen Geräten richtig angezeigt wird, relativ schnell aufgebaut werden. Darüber hinaus bietet Coparts Partnerwerkstätten ein Premiumpaket, das eine sehr individualisierte Webseite beinhaltet. Ein neuer Baustein im digitalen Marketing setzt auf lokales Marketing für die Werkstätten. Der kostenpflichtige Zusatzbaustein sorgt für Einträge in Branchenverzeichnisse wie Facebook, Google Mybusiness oder Go Yellow sowie in gängige Navigationssysteme.

Telematik und Flottenkunden

Bei der Verwertung von Fahrzeug- und Telematikdaten setzt Coparts zum einen auf die internationale Lösung der europäischen Dachgesellschaft Groupauto International, die das System G-Connect schon in mehreren Ländern ausgerollt hat. Zusätzlich hat die Servicegesellschaft, Global Automotive Service (G.A.S.), eine Tochtergesellschaft von Coparts, speziell für Flottenkunden ein Pilotprojekt mit ZF Friedrichshafen gestartet. Derzeit werden mit beiden Systemen erste Erfahrungen gesammelt. Eine Vermarktung in Richtung Werkstatt ist frühestens für 2019 geplant. Generell sieht Klüglich das große Potenzial, das Flottenkunden auch für Werkstattsysteme bringen können. Die G.A.S. versorgt ihre Großkunden über ein dichtes Werkstattnetz, in dem nicht nur, aber zum großen Teil Partnerbetriebe aus dem Coparts Werkstattkonzepten zusammengeschlossen sind. Über die Systemzentrale der G.A.S. werden diese Kunden in die lokal verfügbaren Werkstätten in der Fläche geroutet - das sichert Auslastung und bringt zusätzliches Geschäft. "Das Geschäft mit Intermediären, also beispielsweise Flottenbetreibern, wird für Werkstätten immer wichtiger", ist Klüglich überzeugt. Weil die Deutsche Post mit ihren elektrisch betriebenen Streetscootern zu den Kunden von G.A.S. zählt, spielen die Partner-Werkstätten zudem heute schon eine Vorreiterrolle beim Thema Elektromobilität.

Telematik und Flottenkunden

Eine weitere echte Herausforderung für die Werkstätten ist das Thema Mitarbeitersuche. Das hat auch der Großhandel erkannt und unterstützt die Werkstätten. "Vielen Partnerbetrieben brennt das Thema Mitarbeitergewinnung auf den Nägeln. Die Frage, wie man gut qualifizierte Leute finden und binden kann, ist ein wichtiges Thema geworden", erklärt Axel Birngruber von WM SE. ATR ist ebenfalls aktiv geworden und hat mehrere Leitfäden entwickelt, beispielsweise wie sich Betriebe in Richtung junger Mitarbeiter präsentieren können. Zusammen mit den Gesellschaftern fördert ATR den Nachwuchs in der gesamten Branche auch direkt, zum Beispiel mit dem kostenlosen "Trainingscamp der Champs" für Auszubildende freier Werkstätten.

Kurzfassung

Baukasten für individuelle Webseiten, Instrumente für den Social-Media-Auftritt und digitales Online-Marketing - die Konzeptgeber aus dem Großhandel tun einiges, um ihre Werkstatt-Kunden in die digitale Zukunft zu führen.

Autor: Dietmar Winkler

 
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