Freitag, 18.10.2019
Verkehrsblatt IVW
07.02.2019

¬ Drei Thesen zur Elektroauto-Batterie

Der Akku bleibt innen flüssig und wird grün

VW Akku Batteriezellen

Der Akku ist das zentrale Bauteil des E-Autos.
© Foto: VW

Von Holger Holzer/SP-X

Der Akku ist nicht nur wirtschaftlich gesehen die Kernkomponente des Elektroautos. Auch für die künftigen Nutzer ist er wichtig, entscheidet er doch über die Reichweite ihres Fahrzeugs. Und darüber, ob sie mit dem Verzicht auf den Verbrennungsmotor der Umwelt wirklich etwas Gutes tun. Auf dem diesjährigen CAR-Symposium in Bochum stand der Energiespeicher daher im Zentrum der Diskussionen von Wissenschaftlern und Industrievertretern. Drei Themenkomplexe spielten eine herausgehobene Rolle.

Die Lithium-Ionen-Batterie bleibt

Kaum ein Tag vergeht ohne Durchbruchsmeldungen bei der Batterieforschung, die geringere Kosten, größere Reichweiten oder kürzere Ladezeiten versprechen. Viele Innovationen stünden allerdings zunächst nur auf dem Papier, dämpft beispielsweise Professor Martin Winter von der Universität Münster überzogene Erwartungen. Und warnt gleichzeitig davor, die Weiterentwicklung der aktuelle Lithium-Ionen-Technologie zu vernachlässigen. Kurzfristige Alternativen für den Serieneinsatz im Auto zeichnen sich tatsächlich nicht wirklich ab. Am ehesten Hoffnungen erlaubt die Feststoffzelle, die vor allem in Bezug auf Sicherheit Vorteile bieten könnte, da sie weniger brandgefährdet ist als die Lithium-Ionen-Batterie. Allerdings gibt es jede Menge weitere Anforderungen, die ein E-Auto-Akku erfüllen muss, angefangen bei der für die Reichweite maßgeblichen Energiedichte und nicht aufgehört bei den Kosten. Neue Akku-Technologien müssen diese Kriterien erst einmal erfüllen und das auch unter Beweis stellen. Immerhin sieht Winter weiterhin einiges an Potenzial bei E-Autos mit Lithium-Ionen-Akkus. In den nächsten zehn Jahren könnten diese noch einmal rund 30 Prozent bei der Reichweite zulegen, prognostiziert er. Evolution statt Revolution ist die Losung.

Lithium für E-Auto-Akkus

Lithium für E-Auto-Akkus soll künftig verstärkt aus Europa kommen.
© Foto: Keliber

Die deutsche Zellfertigung bleibt umstritten

Mit der Herstellung von Verbrennungsmotoren und Getrieben wird sich bei einem Siegeszug der E-Mobilität immer weniger Geld verdienen lassen. Wer in einem klassischen Komponentenwerk der Autoindustrie arbeitet, muss daher perspektivisch um seinen Job fürchten. Als mögliche Lösung bringen nicht zuletzt Betriebsräte und Gewerkschaften einen Umstieg auf die Produktion von Batteriezellen ins Spiel. Diese Grundbausteine des E-Auto-Akkus werden aktuell vor allem in China und Korea gefertigt – wo dann auch die Wertschöpfung verbleibt. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier möchte das Geld stattdessen nach Europa holen und plant Milliardensubventionen zum Aufbau einer eigenen Zellfertigung. Die soll nicht nur Arbeitsplätze retten, sondern auch eine Abhängigkeit von ausländischen Produzenten verhindern.  Keine gute Idee, findet beispielsweise Professor Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research (CAR) und damit Hausherr des Bochumer Symposiums. Die Zellproduktion selbst mache lediglich fünf bis zehn Prozent der Wertschöpfung bei der Batterie aus. Der weitaus größere Teil entfalle auf die Herstellung der Grundkomponenten der Zelle, etwa Anode, Kathode und Elektrolyt. Dort sieht er bessere Chancen für ein Engagement der deutschen Hightech-Unternehmen, die es dabei zudem nicht mit milliardenschweren asiatischen Konzernen aufnehmen müssten, die nicht nur viel Geld, sondern auch einen Vorsprung an Wissen und Erfahrung haben. Wollten die Europäer diesen aufholen, wäre das in seinen Augen ein riskantes Abenteuer. Batteriezellenfabriken in Deutschland wird es wohl trotzdem bald geben, allerdings geführt von asiatischen Unternehmen. Die nämlich dürften künftig näher an die Elektroautowerke europäischer Hersteller ziehen, um die Logistikkosten zu senken. Branchenprimus CATL aus China hat bereits angekündigt, in Thüringen ein Werk zu bauen, das Teslas Gigafactory in Kalifornien klein aussehen lässt.

Die E-Auto-Batterie wird grün

Das große Versprechen des Elektroautos ist seine Umweltfreundlichkeit. Aktuell hält es dieses nur bedingt, denn vor allem die Akku-Produktion verbraucht extrem viel Energie und andere Ressourcen, was im sauberen Betrieb mit (Öko-)Strom erst einmal wieder ausgeglichen werden muss. Die westlichen Autohersteller wollen daher schon in der Produktion umweltfreundlich sein. VW etwa hat gerade angekündigt, beim Bau seiner kommenden Modelle CO2-Emissionen zu vermeiden oder zumindest mit Zertifikaten auszugleichen, so dass das Fahrzeug quasi-CO2-neutral vom Band rollt. Weitere Verbesserungen der Öko-Bilanz könnten neue Akku-Produzenten wie das schwedische Start-up Northvolt erreichen, das ab 2020 nördlich von Stockholm Europas Akkus mit Strom aus regenerativen Quellen bauen will. Gründungsmitglied und COO Paolo Cerruti zumindest verspricht in Bochum die "grünste Batterie der Welt". Auch bei den chemischen Grundzutaten der Akkus gibt es Bewegung, der Bedarf an knappen und teils unter unwürdigen Bedingungen geförderten Stoffen wie Kobalt sollen künftig reduziert werden. Hinzu kommen Unternehmen wie Keliber aus Finnland, das Lithium künftig auf nachhaltige Weise in Europa fördern will, um damit zumindest einen Teil des stark wachsenden Bedarfs der Autoindustrie zu decken.

 
 

Copyright © 1999 - 2019 by AUTO SERVICE PRAXIS Online (Foto: VW)

 


 
Zurück Artikel drucken Kommentar abgeben Heft-Abo
 
 
 

Kommentar verfassen

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

17.10.2019

¬ DAT

CO2-Leitfaden wird aktualisiert

Damit Verbraucher von Neuwagen besser vergleichen können, stellt die DAT eine umfangreiche Liste zu Spritverbauch und CO2-Emissionen bereit. Noch im Oktober kommt eine Neufassung. ¬ mehr

17.10.2019

¬ Zulieferer

Brose-Verwaltungsgebäude Bamberg

Brose baut 2.000 Arbeitsplätze ab

Bis 2022 will Brose in Deutschland rund 2.000 Arbeitsplätze abbauen. Der globale Wettbewerb zwinge das Unternehmen dazu, die Arbeit in Niedriglohnländer zu verlagern. ¬ mehr

Autodiebstähle sinken auf Rekordtief

Sind Autos immer besser gegen Diebstahl gesichert? Zumindest ist die Zahl der Diebstähle zuletzt gesunken. ¬ mehr

zum 7-Tage Rückblick

Frage der Woche


Beliebteste Inhalte

  • 17.10.2019 | Geschwindigkeitsbegrenzung

    Kein Tempolimit auf Autobahnen

    Rolf Luft meint: Und wieder ist der Bundestag vor der Industrie eingeknickt. Dabei wäre es so dringend notwendig gew...mehr

  • 17.10.2019 | Geschwindigkeitsbegrenzung

    Kein Tempolimit auf Autobahnen

    Angelika Hutter-Sobeck meint: Endlich mal eine gute Nachricht!...mehr

  • 09.10.2019 | BMW X5 M/X6 M

    Die 600-PS-Hürde ist genommen

    Rolf Luft meint: Genau deshalb sind die Diskussionen um ein generelles Tempolimit angebracht. Würde der Hersteller s...mehr

Newsletter

Immer gut informiert.

Der asp Newsletter informiert Sie werktäglich über die aktuellen Branchen-Geschehnisse. So erfahren Sie alle relevanten Infos. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Betriebssicherheit

Mitarbeiteranweisungen

Mitarbeiteranweisungen

Schnell vermitteltes Wissen zu wesentlichen Gefahrenquellen in der Werkstatt. ¬ mehr

Werkstattkatalog

asp_wki_box_60x60

Alles für die Werkstatt!

Einmalig umfangreicher
Überblick zum Angebot der Werkstattausrüster.

¬ Zum Werkstattkatalog

Springer Automotive Shop

Entdecken Sie Quirin!

In der Neuerscheinung "Die Quirin-Formel" zeigt Ihnen Dr. Andreas Block, welche zentralen Bausteine erfolgreiche Autohäuser gemein haben. ¬ Jetzt bestellen!