Sonntag, 25.08.2019
Verkehrsblatt IVW
14.05.2019

¬ Neuwagenflotte

Daimler will CO2-Ausstoß auf Null senken

Während der nächsten 20 Jahre soll die Mercedes-Neuwagenflotte CO2-neutral werden.
© Foto: Daimler

zum Themenspecial Elektromobilität

Von Annika Grah/dpa

Bis 2039 will Daimler dafür sorgen, dass die weltweit verkauften Neuwagen CO2-neutral unterwegs sind. Welche Technologien allerdings genau zum Einsatz kommen werden, will sich der Autobauer offen halten. "Jetzt zu sagen, exakt in jedem Markt der Welt, wo die Reise hingeht, das wäre nicht seriös", sagte Entwicklungsvorstand Ola Källenius am Montag in Sindelfingen. Aktuell liege der Fokus auf der batterieelektrischen Mobilität. Autos mit reinen Verbrennungsmotoren sind in dem Plan aber offensichtlich nicht mehr vorgesehen.

Um das Ziel zu erreichen, plane man, nur noch Elektroautos und Fahrzeuge mit Plug-In-Hybrid-Motoren zu verkaufen, sagte der Leiter der Motorenentwicklung, Torsten Eder. Eine zweite Bedingung sei, dass die Verbrennungsmotoren in den Hybrid-Fahrzeugen mit synthetischen Kraftstoffen betrieben werden können, die aus regenerativen Energien gewonnen werden und somit CO2-neutral sind. Solche Kraftstoffe sind derzeit noch nicht am Markt verfügbar.

Die Klimaziele kommen nicht ganz freiwillig. Auf EU-Ebene ist Daimler angesichts der stark diskutierten Grenzwerte gezwungen, den CO2-Ausstoß der jährlich verkauften Autos zu senken. Bis 2021 muss der Wert von zuletzt 132 auf 102 Gramm je Kilometer sinken. Bis 2030 sollen davon noch einmal 37,5 Prozent abgehen.

Dann sollen 50 Prozent aller weltweit von Daimler verkauften Autos vollelektrisch fahren oder mit Plug-In-Hybrid-Motor ausgestattet sein. Parallel arbeitet der Hersteller auch weiter an der Brennstoffzelle. Auch die könne Verbrennungsmotoren ablösen, so Eder. Um die Strategie für den Umstieg auf neue Antriebsarten hatte es zuletzt Streit zwischen BMW und VW gegeben. VW-Chef Herbert Diess plädierte dafür, sich auf batteriebetriebene E-Autos zu konzentrieren.

Darüber hinaus sollen nicht mehr nur die deutschen, sondern auch die europäischen Pkw-Werke von Daimler bis 2022 klimaneutral arbeiten. Die Standorte weltweit sollen folgen – wann, das ließ der künftige Vorstandschef Källenius offen, ebenso, wie viel Geld der Konzern dafür in die Hand nimmt. Für den Ausbau der E-Auto-Palette investiert Daimler zehn Milliarden Euro. Im Lkw-Geschäft arbeitet Daimler an einem ähnlichen Programm zur Klimaneutralität. Ein Ziel, wann der CO2-Fußabdruck des gesamten Konzerns auf Null reduziert wird, gab Källenius nicht aus.

Bosch prescht vor

Damit bleibt Daimler hinter den Ankündigungen anderer Konzerne zurück. Der Autozulieferer Bosch hatte vergangene Woche mit dem Plan überrascht, Produktion und Verwaltung schon 2020 CO2-neutral zu gestalten. Volkswagen lässt sich länger Zeit. "Bis 2050 wollen wir den gesamten Volkswagen Konzern CO2-neutral machen", sagte VW-Chef Diess im März.

Die meisten Konzerne gehen dabei ähnlich vor. Sie versuchen, den CO2-Ausstoß zu reduzieren – im Falle von Bosch etwa durch Energieeffizienz – und stellen auf erneuerbare Energien um. Wo das nicht hilft, werden vielerorts Emissionen mit Hilfe von CO2-Zertifikaten kompensiert. Die Frage, wie etwa Lieferanten zur Klimafreundlichkeit erzogen werden können, gehen die meisten Firmen erst in einem zweiten Schritt an. Daimler will CO2-Neutralität zur Bedingung für die Vergabe von Lieferanten-Verträgen machen.

Umweltschützer halten das Vorgehen für längst überfällig: "Es ist höchste Zeit, dass die Konzerne überlegen, wie sie umsetzen, was vor dreieinhalb Jahren bei der Klimakonferenz in Paris entschieden wurde", sagte ein Greenpeace-Sprecher. Damals war ein weltweiter Aktionsplan entworfen worden, der die Erderwärmung auf unter zwei Grad begrenzen soll. Dabei dürfe es nicht nur um "Ablasshandel" mit CO2-Zertifikaten und den Einkauf von Ökostrom gehen, so der Greenpeace-Sprecher. "Es braucht jetzt klare Schritte."

Bislang setzen sich die Unternehmen solche Ziele größtenteils freiwillig. Nur Konzerne mit großen Industrieanlagen – wie eben auch Daimler – sind in der EU schon verpflichtet, Zertifikate für CO2-Emissionen zu kaufen.

 
 

Copyright © 1999 - 2019 by AUTO SERVICE PRAXIS Online (Foto: Daimler)

 


 
Zurück Artikel drucken Kommentar abgeben Heft-Abo
 
 
 

Kommentar verfassen

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

Es darf auch mal ein Ferrari sein

Für das Opfer eines Verkehrsunfalls gilt eine Schadensminderungspflicht. Vor allem bei den Kosten für einen Ersatzwagen sorgt diese immer wieder für Streit vor Gericht. ¬ mehr

Spaßmobil geht in Serie

Auf dem Autosalon in Genf war der ID.Buggy von VW noch als Studie zu bestaunen. Inzwischen sind die Würfel gefallen. Das elektrisch angetriebene Spaßmobil wird spätestens in zwei Jahren in Serie gehen - und fährt schon jetzt prima. ¬ mehr

23.08.2019

¬ Datenqualität

KYB Europe Screen Homepage

KYB nimmt an TecAlliance-Pilotprojekt teil

Als einziger Stoßdämpferhersteller nimmt KYB Europe an einem Pilotprojekt von TecAlliance teil, um Daten für Kunden schneller als bisher bereitstellen zu können. ¬ mehr

zum 7-Tage Rückblick

Frage der Woche


Beliebteste Inhalte

  • 20.08.2019 | Autoindustrie

    DUH wirft verfehlte Modellpolitik vor

    Peter Zimmer meint: Hallo,da haben wir den Salat, jetzt muddelt die DHU mit und das gibt wieder Ärger.Wo bleibt das E A...mehr

  • 30.07.2019 | AU-Geräte-Kalibrierung

    Wichtige Fragen und Antworten

    Franko meint: Genau mein Humor, anstatt bei den Herstellern genauer hin zu schauen und diese zur Rechenschaft zu z...mehr

Newsletter

Immer gut informiert.

Der asp Newsletter informiert Sie werktäglich über die aktuellen Branchen-Geschehnisse. So erfahren Sie alle relevanten Infos. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Betriebssicherheit

Mitarbeiteranweisungen

Mitarbeiteranweisungen

Schnell vermitteltes Wissen zu wesentlichen Gefahrenquellen in der Werkstatt. ¬ mehr

Werkstattkatalog

asp_wki_box_60x60

Alles für die Werkstatt!

Einmalig umfangreicher
Überblick zum Angebot der Werkstattausrüster.

¬ Zum Werkstattkatalog

Springer Automotive Shop

Entdecken Sie Quirin!

In der Neuerscheinung "Die Quirin-Formel" zeigt Ihnen Dr. Andreas Block, welche zentralen Bausteine erfolgreiche Autohäuser gemein haben. ¬ Jetzt bestellen!