Donnerstag, 18.10.2018
Verkehrsblatt IVW
04.06.2018
1    

¬ Diesel-Nachrüstungen

Autobauer sollen zahlen

Bundesumweltministerin Svenja Schulze setzt sich dafür ein, dass Autobauer für Nachrüstungen zahlen.
© Foto: SPD Nordrhein-Westfalen

In der Dieselkrise heizt Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) die Debatte um die technische Nachrüstung älterer Fahrzeuge mit konkreten Zahlen an. Berechnungen ihres Ministeriums zufolge würden sogenannte Hardware-Nachrüstungen in den Städten mit der schlechtesten Luftqualität die Hersteller mehr als vier Milliarden Euro kosten, wie die Funke Mediengruppe berichtete. Allerdings habe der Gewinn der deutschen Automobilindustrie im vergangenen Jahr deutlich höher gelegen, wie Schulze den Funke-Zeitungen sagte.

Selbst wenn man bei einer Nachrüstung einen Maximalwert von 3.000 Euro pro Fahrzeug zugrunde lege, koste die Hardware-Nachrüstung in den 17 am stärksten belasteten Städten nach den Brechnungen des Ministeriums 2,9 Milliarden Euro: "Nimmt man jeweils das Pendler-Umland hinzu, kommt man auf 4,4 Milliarden Euro."

Das Thema ist vor allem deswegen brisant, weil für Autofahrer Fahrverbote in besonders belasteten Innenstädten drohen. Das Bundesverwaltungsgericht hatte solche Maßnahmen unter bestimmten Umständen für zulässig erklärt. Als erste deutsche Stadt hatte Hamburg dieser Tage ein Fahrverbot für ältere Dieselautos auf zwei Straßenabschnitten im Bezirk Altona verhängt.

Die vielerorts von Abgasproblemen geplagten deutschen Kommunen bringen unterdessen staatliche Hilfen für eine technische Nachrüstung älterer Dieselautos ins Gespräch. Es sei "sinnvoll, einerseits den politischen Druck auf alle Hersteller zu erhöhen und anderseits auch staatliche Hilfen, wie damals bei der Einführung des Katalysators, in Erwägung zu ziehen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, den Funke-Zeitungen. Es sei ein richtiger Ansatz, ältere Dieselfahrzeuge technisch nachzurüsten, allerdings nicht nur in den stark belasteten Städten. "Wenn es zu solchen Nachrüstungen kommt, müssen diese Angebote für alle Autobesitzer gelten, die im guten Glauben mit dem Diesel ein vermeintlich umweltfreundliches Fahrzeug gekauft haben."

Staatliche Hilfen kein Thema

Für Ministerin Schulze kommen staatliche Hilfen indes nicht in Frage. "Die Automobilindustrie hat Diesel als sauber verkauft, die auf der Straße nicht sauber sind. Das sollte der Staat nicht auch noch durch Prämien belohnen." Allerdings sind technische Nachrüstungen direkt am Motor umstritten.

Die Regierungskoalition in Berlin ist sich in dieser Frage nicht einig. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) lehnen sie ab. Scheuer hatte zuletzt bekräftigt, dies bedeutete erhebliche Eingriffe in die Autos und eine Investition in alte Fahrzeuge. Außerdem gilt es als rechtlich sehr schwierig, die Hersteller zu solchen Nachrüstungen zu verpflichten.

Die Autohersteller selbst lehnen solche Nachrüstungen rigoros ab: Es gebe zwei große Nachteile, sagte ein Sprecher des Branchenverbandes VDA am Sonntag der dpa. "Sie führen nicht zu einer schnellen Verbesserung, sondern dauern lange. Für Entwicklung, Tests und Erprobung jedes einzelnen Modells bis zur behördlichen Genehmigung und Serienreife sind mindestens zwei bis drei Jahre nötig." Zudem erhöhe jede Hardware-Nachrüstung den Kraftstoffverbrauch, damit steige der CO2-Ausstoß. "Das hilft dem Klima nicht."

Die Branche nimmt für sich in Anspruch, mit Software-Updates, Umstiegsprämien sowie der Beteiligung an einem Mobilitätsfonds gemeinsam mit Bund, Ländern und Kommunen ihren Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität in Städten zu leisten. (dpa)

 
 

Copyright © 1999 - 2018 by AUTO SERVICE PRAXIS Online (Foto: SPD Nordrhein-Westfalen)

 


 
Zurück Artikel drucken Kommentar abgeben Heft-Abo
 
 
 

Kommentar verfassen

Frage der Woche


Beliebteste Inhalte

  • 17.10.2018 | Abgasskandal

    Härteres Durchgreifen der Regierung gefordert

    R. LUFT meint: Es wird endlich Zeit, die steuerlichen Vorteile für die sogenannten Dienstfahrzeuge rigoros zu kapp...mehr

  • 16.10.2018 | Ford

    Kupplungsdruckplatte kann brechen

    Michael Klausing meint: Ich habe einen Ford Focus 1,0 Eco Boost in 07/2016 mit Tageszulassung gekauft.Nach 14000 km musste d...mehr

  • 28.09.2018 | Dieselkrise

    VW-Betriebsratschef wettert gegen Politik

    R. Luft meint: Herr Osterloh sollte den Ball sehr flach halten, ist er doch Teil dieses Betrugs-Kartells und er und...mehr

Newsletter

Immer gut informiert.

Der asp Newsletter informiert Sie werktäglich über die aktuellen Branchen-Geschehnisse. So erfahren Sie alle relevanten Infos. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Betriebssicherheit

Mitarbeiteranweisungen

Mitarbeiteranweisungen

Schnell vermitteltes Wissen zu wesentlichen Gefahrenquellen in der Werkstatt. ¬ mehr

Werkstattkatalog

asp_wki_box_60x60

Alles für die Werkstatt!

Einmalig umfangreicher
Überblick zum Angebot der Werkstattausrüster.

¬ Zum Werkstattkatalog

Springer Automotive Shop

Verlieren Sie nicht die Orientierung!

Die Neuerscheinung "Der Autohaus-Kennzahlkompass" zeigt, wie man betriebsspezifische Kennzahlen findet, errechnet und interpretiert. Dabei werden dem Leser greifbare Lösungsansätze vermittelt. ¬ Jetzt bestellen!