Der insolvente Autozulieferer und Cabriobauer Karmann will mehr als ein Viertel der verbliebenen Stellen streichen. Der Sprecher des Insolvenzverwalters Ottmar Hermann, Pietro Nuvoloni, bestätigte am Mittwoch entsprechende Informationen des Betriebsrates. Demnach sollen von den derzeit 1979 Mitarbeitern insgesamt 513 gehen. Einen Zeitrahmen für die Kündigungen gebe es noch nicht. Bestehende Aufträge in den einzelnen Abteilungen sollten zunächst abgearbeitet werden. Nach Angaben der Arbeitnehmervertretung soll unter anderem der Werkzeugbau mit bislang 245 Mitarbeitern geschlossen werden. Der Betriebsrat sieht aber nach dem Ende der weltweiten Autokrise sehr wohl eine Chance für den Werkzeugbau. "Es gibt ganz wenige Werkzeugbauer in Deutschland, die eine Kompetenz für die Außenhaut von Fahrzeugen haben", sagte der stellvertretende Betriebsratschef Gerhard Schrader. Die Sparte müsse gehalten werden. Nuvoloni zeigte sich erstaunt über die Forderung. Bereits vor der Insolvenz sei die Schließung des Werkzeugbaus angekündigt worden, falls sich kein Käufer finde. "Ein insolventes Unternehmen kann nur mit Einnahmen operieren, es bekommt keine Hilfe vom Staat", sagte Nuvoloni. Nicht ausgelastete Segmente müssten daher zurückgefahren oder geschlossen werden. Karmann hatte vor Ostern Insolvenz angemeldet. Der Autobau steht seit längerem vor dem Aus. Voraussichtlich Ende Juni wird das letzte Mercedes CLK-Cabrio die Osnabrücker Werkshallen verlassen. Das Unternehmen will künftig als reiner Cabriodachhersteller und Fahrzeugentwickler auftreten. Neue Chance durch Elektrofahrzeuge? Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) deutete in der Zeitschrift "Auto Motor und Sport" neue Aufträge für Karmann an. Trotz der auslaufenden Autoproduktion sehe der Politiker Überlebenschancen für das Unternehmen, insbesondere in der Entwicklung und Herstellung von Elektrofahrzeugen, schreibt die Zeitschrift. Das Elektroauto, das gemeinsam mit dem Oldenburger Energieversorger EWE entwickeln wird, soll im September fahren. (dpa/ng)
Insolvenz: Weitere Karmann-Stellen vor dem Aus
Insolvenzverwalter und Betriebsrat sind sich offenbar uneins darüber, in welchem Bereich die Jobaxt angelegt werden soll. Ministerpräsident Wulff sieht unterdessen neue Chancen in der Entwicklung und Herstellung von Elektrofahrzeugen.