Freitag, 25.05.2012
Verkehrsblatt IVW
03.07.2009
¬ Automobilindustrie
Käuferschwund, Überkapazitäten, Liquiditätsenge: Die Autoindustrie steckt in ihrer tiefsten Krise.

Überkapazität und Liquiditätsengpass

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer prognostiziert "Nachhall-Effekte" der Abwrackprämie, die den Markt deutlich nach unten ziehen werden. "Wir müssen fortgesetzt mit Kurzarbeit und Arbeitsplatzabbau in der Automobilindustrie rechnen", heißt es in einer aktuellen Studie Dudenhöffers. Und die Händler, die auf die Inlandsnachfrage angewiesen sind, warnt er schon jetzt vor: "Der Handel muss davon ausgehen, dass es nächstes Jahr Insolvenzen hageln wird." Auch bei vielen Zulieferern steige in den nächsten zwölf Monaten das Insolvenzrisiko weiter. Eine leichte Entlastung sei erst im zweiten Halbjahr 2010 zu erwarten.

Bislang stützt sich die gestiegene Inlandsnachfrage auf die Privatkunden - vor allem solche, die Kleinwagen kaufen. Damit die Branche im kommenden Jahr nicht ins Bodenlose stürzt, setzt der Verband der Automobilindustrie (VDA) auch auf einen spürbaren Anstieg bei der Nachfrage nach Dienstwagen. Für den Experten Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft in Nürtingen ist klar: "Wenn die nicht anspringt, haben wir ein Riesenproblem. Das ist der Dreh- und Angelpunkt." Auch müssten die Hersteller sich verstärkt an die "gesellschaftliche Mitte" wenden, um den Absatz von Mittelklassewagen zu steigern.

Die Abwrackprämie überdeckt die schwere Krise, in der sich die Branche seit Monaten befindet. Weltweit ist die Autokonjunktur nach wie vor im Keller. Selbst die Marke VW, die stark von der Abwrackprämie profitiert, stürzte im ersten Quartal 2009 in die roten Zahlen. Obgleich die Konzerntochter Seat in diesem Jahr beispielsweise Rekordverkäufe erwartet (wir berichteten).

Rabattschlachten sind kein Ausweg

Die Autoindustrie hat große strukturelle Probleme: Weltweit gibt es enorme Überkapazitäten, die Autobauer setzten lange vor allem auf Wachstum. Auf vielen wichtigen Märkten toben Rabattschlachten, welche die Margen der Hersteller nach unten drücken. Der Studie "Automotive Review 2009" der Unternehmensberatung Alix Partners zufolge muss die weltweite Automobilbranche in diesem Jahr pro verkauftem Auto im Schnitt rund 1.800 Euro Verlust verbuchen. Die Marktforscher analysierten die Lage von 275 Zulieferern, 45 Autobauern und 23 Lkw-Herstellern weltweit.

Demnach ist die Branche von deutlichen Überkapazitäten und einem hohen Verschuldungsgrad betroffen. Besonders gefährdet seien die Zulieferer. Waren 2008 nach einer Alix-Prognose etwa 22 Prozent der europäischen Autozulieferer in Insolvenzgefahr, so könnte die Zahl – bei einem Rückgang der Wirtschaft um zehn bis 20 Prozent – in diesem auf 30 bis 50 Prozent steigen. Die Automobilindustrie müsse sich auf eine lange Durststrecke einstellen, heißt es in der Studie. Viele Probleme seien hausgemacht: "Rabattprogramme oder 'stille' Rabatte in Form von gehobener Ausstattung zum Nulltarif sind keine langfristige Lösung. Die globale Wirtschaftskrise hat einige Unternehmen der Autoindustrie nur schneller in das Ende der Sackgasse geführt - falsch abgebogen sind sie schon vorher." (dpa/msh)

 
 

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