¬ Kommentar
Nie wieder Rückrufe
Liebe LeserInnen,
wäre man als Redakteur einer Fachzeitschrift nicht Teil dieser Branche, käme man bei manchen Bemühungen der Hersteller und Importeure, Fehler ihrer Produkte zu beseitigen, vor lauter Lachen nicht in den Schlaf. So bleibt einem das Lachen aber im Hals stecken. Nicht genug, dass mehr verschwiegen als veröffentlicht und die Mehrheit der Rückruf- als Serviceaktionen verharmlost wird. Jüngster Höhepunkt dieser erbärmlichen Bemühungen ist eine Aktion des indischen Herstellers Tata (s. heutiger Newsletter): Die Wiederherstellung der Startfunktion wird tatsächlich als "Upgrade" bezeichnet.
Die Kommunikationsabteilungen der Hersteller und Importeure bezüglich Rückrufen zu Offenheit zu bewegen, versucht die asp-Redaktion seit mehr als einem Jahrzehnt – mit einigen Ausnahmen vergeblich. Dass es sich bei den betroffenen Fahrzeugen fast immer um Gebrauchtwagen handelt, die auch außerhalb der eigenen Markenorganisation gehandelt werden und für die Händler gewährleisten müssen, interessiert offenbar nicht. Womöglich denkt man auch nicht so weit, liegt dieses Problem doch scheinbar außerhalb des eigenen Tellerrands.
Doch das ist ein Irrtum, denn GW-Handel ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: So wie Gebrauchtwagen der Marke X auch von Händlern der Marke Y oder freien Betrieben gehandelt werden, geschieht das auch umgekehrt mit Gebrauchten der Marke Y bei Vertragshändlern der Marke X. Vor vielleicht zehn Jahren gab es einen cleveren Spruch gegen Ausländerfeindlichkeit, der sinngemäß auch in den Kommunikationsabteilungen der Hersteller und Importeure Gehör finden sollte: "Alle Menschen sind Ausländer. Fast überall." (pd)
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