Montag, 18.06.2018
Verkehrsblatt IVW
07.12.2017

¬ EU

Neue Zulassungsregeln und Bußgelder

Betrügereien wie beim Dieselskandal will die EU künftig mit schärferen Zulassungsregeln für neue Automodelle und hohen Bußgeldern unterbinden. Die Mitgliedstaaten einigten sich am Donnerstag mit dem Europaparlament auf neue Vorschriften für die Typgenehmigung, die 2020 Pflicht werden sollen. Erstmals kann die EU-Kommission nationalen Behörden dann direkt auf die Finger schauen, Rückrufaktionen starten und bei Regelverstößen Bußgelder von bis zu 30.000 Euro pro Auto verhängen. Verbraucherschützer begrüßten das.

In der Diesel-Affäre war aufgeflogen, dass einige Automodelle wegen manipulativer Software zwar auf dem Prüfstand Schadstoffgrenzwerte einhielten, nicht aber im normalen Straßenverkehr. Der Skandal habe die Schwäche des Systems gezeigt - und die werde nun behoben, erklärte Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska: "Wir wissen, dass einige Autobauer betrogen und viele andere Schlupflöcher ausgenutzt haben. Um dies zu beenden, überholen wir das gesamte System."

Bisher sind allein nationale Behörden in den EU-Ländern dafür zuständig, Autobauern zu bescheinigen, dass ein neues Modell alle technischen Vorgaben einhält und für den Verkehr zugelassen wird. In Deutschland ist es das Kraftfahrt-Bundesamt. Die neuen Regeln sollen nach Angaben der EU-Kommission die Unabhängigkeit dieser Stellen sichern. Die Kommission kann die Behörden jedoch überprüfen. In Deutschland gibt es zudem eine Debatte, andere Institutionen wie etwa das Umweltbundesamt stärker mit einzubeziehen.

Überprüfung auch von Neuwagen

Außerdem sollen künftig nicht mehr nur Prototypen vor der Typzulassung überprüft werden, sondern stichprobenartig auch neue Exemplare von bereits genehmigten Modellen - mindestens einer von 40.000 Neuwagen. So will man sicherstellen, dass die Autos die einmal bescheinigten Eigenschaften auch wirklich haben. Die Ergebnisse sollen veröffentlicht werden. Findet ein EU-Land Unregelmäßigkeiten, kann es selbst einschreiten. Bisher kann dies nur die Behörde, die die Typgenehmigung erteilt hat. Diese gilt in der ganzen EU.

Den Einsatz von Abschaltvorrichtungen - ein Programm erkennt dabei die Bedingungen auf Prüfständen, mindert aber die Abgasreinigung auf der Straße deutlich - will die EU ebenfalls wirksamer stoppen. Die Hersteller müssen künftig Zugang zu Software-Protokollen gewähren. Zusammen mit neuen Tests im echten Fahrbetrieb soll es damit schwerer werden, Schadstoffgrenzwerte zu umgehen.

Der europäische Verbraucherverband BEUC nannte die Pläne einen Fortschritt. Er lobte vor allem die Stichprobentests und Oberaufsicht auf europäischer Ebene. "Aber die EU könnte noch mehr für Verbraucher tun", meinte BEUC-Generaldirektorin Monique Goyens. Nötig seien vor allem realistische Tests von CO2-Werten im normalen Straßenverkehr.

Besseres System für Europa

Der Verband Transport & Environment kommentierte: "Mehr als zwei Jahre, nachdem die USA Volkswagen beim Betrug erwischt haben, können wir endlich sagen, dass Europa ein besseres System bekommt, um Betrügern das Handwerk zu legen." Die neuen Regeln müssten konsequent umgesetzt werden.

Die Einigung vom Donnerstag basiert auf Vorschlägen der Kommission von 2016. Das Europaparlament und der Rat der EU-Länder müssen noch formal zustimmen. Danach können die EU-Staaten die Verordnung direkt anwenden, ab dem 1. September 2020 ist dies Pflicht. (dpa)

 
 

Copyright © 1999 - 2018 by AUTO SERVICE PRAXIS Online

 


 
Zurück Artikel drucken Kommentar abgeben Heft-Abo
 
 
 

Kommentar verfassen

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

18.06.2018

¬ Abgas-Affäre

Rupert Stadler

Audi-Chef in Untersuchungshaft

Erst vor wenigen Tagen durchsuchten Ermittler die Privatwohnung von Audi-Chef Stadler in Ingolstadt. Der Verdacht: Betrug im Zusammenhang mit der Diesel-Affäre. Jetzt kommt der Manager in U-Haft. ¬ mehr

Die Qual der Wahl

V8-Turbobenziner oder Reihensechszylinder-Turbodiesel: Das neue BMW 8er Coupé tritt zum Marktstart in den Versionen M850i und 840d an. ¬ mehr

18.06.2018

¬ Diesel-Skandal

Audi A8

Audi droht weiterer Diesel-Rückruf

Einem Zeitungsbericht zufolge droht Audi ein weiterer Rückruf des neuen Modells A8 mit Dieselmotor durch das Kraftfahrt-Bundesamt. ¬ mehr

zum 7-Tage Rückblick

Frage der Woche


Beliebteste Inhalte

  • 14.06.2018 | Dieselskandal

    Heftige Geldbuße für VW

    Heissenberger meint: Wohin rollt das Geld? Die Behörden haben durch ihr schlampiges Zulassungsverfahren(einfaches durchw...mehr

  • 14.06.2018 | Dieselskandal

    Heftige Geldbuße für VW

    Frank Fu meint: Lächerlich, hochgerechnet noch nicht mal 100,00€ pro betroffenes Fahrzeug "Strafe". Ein S...mehr

  • 14.06.2018 | Dieselskandal

    Heftige Geldbuße für VW

    PS Kontor Klaus Halbleib meint: Schae, dass die wirklich betroffenen ( betrogene Halter der betroffenen Fahrzeuge) nichts davon abbe...mehr

Newsletter

Immer gut informiert.

Der asp Newsletter informiert Sie werktäglich über die aktuellen Branchen-Geschehnisse. So erfahren Sie alle relevanten Infos. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Gabler Wirtschaftslexikon

GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Das Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen

Betriebssicherheit

Mitarbeiteranweisungen

Mitarbeiteranweisungen

Schnell vermitteltes Wissen zu wesentlichen Gefahrenquellen in der Werkstatt. ¬ mehr

Werkstattkatalog

asp_wki_box_60x60

Alles für die Werkstatt!

Einmalig umfangreicher
Überblick zum Angebot der Werkstattausrüster.

¬ Zum Werkstattkatalog

Springer Automotive Shop

Wie sicher halten Sie Ihre Daten?

Die Neuerscheinung "Datenschutz in Autohaus und Werkstatt" hilft Ihnen dabei, die Risiken, die sich aus der EU-DSGVO ergeben, zu vermeiden und eine rechtssichere Dokumentation zu erstellen. ¬ Jetzt bestellen!