Alternative Antriebe: Neue Diskussion um Biokraftstoffe

21.09.2007 16:10 Uhr
Für den umweltverträglichen Anbau von Ölpflanzen gibt es in Europa laut UFOP noch genug Flächenreserven.

Produzenten wehren sich gegen weitere Stimmen, die an der Ökobilanz zweifeln

Ein Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat eine erneute Diskussion über die Umweltbilanz von Biokraftstoffen ausgelöst. Die internationale Organisation bestehend aus 30 Industrieländern hatte darin die weltweite Abschaffung von Subventionen für Biokraftstoffe gefordert, weil sie zu rapide steigenden Lebensmittelpreisen und der möglichen Zerstörung natürlicher Lebensräume führe. Zudem handele es sich um eine nicht ausgereifte Technik mit begrenztem Nutzen im Hinblick auf den Klimawandel. Die Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP) wies die in dem OECD-Bericht gemachten Aussagen als zu undifferenziert zurück. Die UFOP nannte es unverständlich, warum bei der Veröffentlichung des Berichtes nicht auf die besondere Situation in Deutschland bzw. Europa eingegangen wurde. "Wie in keinem anderen Land der Welt ist gerade in Deutschland die Produktion von Biokraftstoffen und hier insbesondere von Biodiesel auf Basis von Raps ein etabliertes und funktionierendes System", hieß es in einer Mitteilung der Lobby der Biokraftstoffhersteller. Ebenso unzureichend beleuchtet bleiben in dem Bericht aus Verbandssicht die Chancen, die mit der Biokraftstoffproduktion für die Entwicklungsländer einhergehen. Auch finde keine kritische Betrachtung zu Ökobilanzstudien statt. So sei die so genannte "EMPA"-Studie (wir berichteten) von Fachleuten bereits sehr kritisch hinterfragt worden. "Bis heute existieren keine international abgestimmten Systemgrenzen, um Ökobilanzstudien vergleichbar zu machen", betonte der Verband in seiner Mitteilung. In die Riege der Biokraftstoffkritiker reihte sich jüngst auch der Naturwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker, Neffe des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, ein. Die Artenvielfalt sei durch die riesigen Monokulturen der Biospritpflanzen enorm bedroht, sagte von Weizsäcker auf einer Fachtagung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Der Anbau von energiebringenden Pflanzen habe nichts mit Klimaschutz zu tun. Vielmehr führe er in eine ökologische Krise. Erst durch die Produktion von aus pflanzlichen Abfallstoffen gewonnenem Zellulose-Ethanol gäbe es eine Chance, einen Beitrag zur Senkung des CO2-Ausstoßes zu leisten, erklärte von Weizsäcker. (ng)

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