Montag, 20.08.2018
Verkehrsblatt IVW
16.05.2018
1    

¬ Diesel-Konsequenzen

Merkel will Autobauer nicht schwächen

Angela Merkel will die Autobauer nicht durch Diesel-Konsequenzen schwächen.
© Foto: picture alliance / Frank Rumpenhorst/dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will die deutschen Autobauer nicht mit übermäßigen Konsequenzen aus dem Diesel-Skandal bei wichtigen Investitionen ausbremsen. "Es ist unsere Aufgabe, der Industrie zu sagen: Ihr müsst verloren gegangenes Vertrauen selber wieder gut machen", sagte sie am Mittwoch im Bundestag. Es könne aber "nicht unser Interesse sein, dass wir durch politische Maßnahmen die Automobilindustrie so schwächen, dass sie keine Kraft mehr hat, in die eigentlichen Zukunftsinvestitionen etwas hineinzustecken". In Hamburg laufen Vorbereitungen für bundesweit erste Fahrverbote an.

Merkel äußerte sich erneut skeptisch zu Umbauten an Motoren älterer Diesel, die der Koalitionspartner SPD für eine stärkere Reduzierung des Schadstoffausstoßes verlangt. Dies bedeutete Kosten von tausenden Euro je Wagen und zwei bis drei Jahre Arbeit für die Ingenieure. "Ist das die richtige Beschäftigung für die Automobilindustrie?" Vielmehr gelte es, alle Kräfte zusammenzunehmen und der Branche zu sagen: "Ihr müsst jetzt in die Mobilität der Zukunft investieren - ins autonomes Fahren, in alternative Antriebe - und da unterstützen wir Euch dabei." Merkel nannte es "unfassbar, welches Vertrauen die deutsche Automobilindustrie im Zusammenhang mit dem Diesel verspielt hat".

Inzwischen vorliegende Gutachten im Auftrag der Regierung zur Machbarkeit von Hardware-Nachrüstungen würden nun bewertet. Dann sollten Kommunen mit hoher Luftverschmutzung erneut zu einem Treffen eingeladen werden. Auch das "Dieselforum" mit der Autobranche solle erneut tagen, sagte Merkel. Beim ersten Dieselgipfel im Sommer 2017 hatten die Branche neue Abgas-Software für zusätzliche 2,8 Millionen Diesel bis Ende 2018 zugesagt. Der genaue Fortschritt der Umrüstungen ist bisher unklar. Hardware-Nachrüstungen lehnt die Branche ab. Der Bund hat zudem einem Förderfonds für sauberere Stadtluft aufgelegt.

Hamburg hat Verbotsschilder aufgestellt

Großes Ziel ist, Diesel-Fahrverbote zu vermeiden. Hamburg hat indes nun als erste deutsche Stadt mit dem Aufstellen von Verbotsschildern begonnen - sie gelten aber noch nicht, sondern sind durchkreuzt. Der FDP-Verkehrsexperte Oliver Luksic warf der Bundesregierung vor, sich weggeduckt zu haben. Die schlichte, immer wiederkehrende Aussage "Wir wollen Fahrverbote verhindern", sei nun Makulatur. "Hamburg ist erst der Anfang." Nötig sei unter anderem endlich ein Rechtsrahmen für schnelle Zulassung von Nachrüstsystemen, sagte Luksic der dpa.

Hamburg will Abschnitte zweier stark befahrener Hauptverkehrsstraßen für ältere Diesel sperren. Wann dies in Kraft tritt, ist noch offen. Die Behörden warten auf die schriftliche Begründung eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichts, das Fahrverbote grundsätzlich zulässt.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt kritisierte Merkel. Natürlich gehe es darum, dass die Branche mit Investitionen angehe, was sie bisher verschlafen habe. Betrogene Autokäufer müssten aber auch Entschädigungen und Hardware-Nachrüstungen bekommen. Die Umweltorganisation Greenpeace forderte ein Datum, wann in Deutschland die letzten Diesel und Benziner vom Band rollen. "Nur mit der klaren Perspektive eines Ölausstiegs werden die Hersteller konsequent in die Zukunft einer sauberen Mobilität investieren, statt wichtige Forschungsmilliarden in weitere klimaschädliche Verbrennungsmotoren zu stecken", sagte Greenpeace-Experte Tobias Austrup der dpa. (dpa)

 
 

Copyright © 1999 - 2018 by AUTO SERVICE PRAXIS Online (Foto: picture alliance / Frank Rumpenhorst/dpa)

 


 
Zurück Artikel drucken Kommentar abgeben Heft-Abo
 
 
 

Kommentar verfassen

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

VW Tiguan Allspace

VW ruft rund 700.000 Autos zurück

In eine Lichtleiste am Panoramadach der Modelle Tiguan und Touran kann Feuchtigkeit eindringen, worauf es zum Kurzschluss kommen kann- im schlimmsten Fall sogar zum Brand. ¬ mehr

20.08.2018

¬ Dodge und RAM

Abwicklung von Rückrufen über auorisierte Händler

Seit dem 16. Juli 2018 wickelt AEC Rückrufe von Dodge und RAM ausschließlich über seine autorisierten Händler ab. Damit soll die Servicequalität auf ein neues Niveau gehoben werden. ¬ mehr

Ersatzteile

ZKF warnt vor weitere sinkender Renditen

Für Karosserie- und Fahrzeugfachbetriebe sorgt das Umsatzvolumen von Ersatzteilen meist eine gewichtige Rolle in der Reparaturrechnung. Nun planen Kfz-Versicherer Eingriffe in das Ersatzteilgeschäft, worunter mittelständische Betriebe leiden könnten. ¬ mehr

zum 7-Tage Rückblick

Frage der Woche


Beliebteste Inhalte

  • 16.08.2018 | Markenausblick Audi

    Die Ringe neu sortiert

    AutomotiveConsultant meint: @ A. Greger: Auf dem (einem) Teppich zu bleiben, wird Herrn Stadler derzeit kaum möglich sein. Aber...mehr

  • 16.08.2018 | Markenausblick Audi

    Die Ringe neu sortiert

    A. Greger meint: Worauf freut sich Herr Stadler denn?In 7 Jahren Plug-In und EV Fahrzeuge zu haben?Vor allem, wer sol...mehr

  • 13.08.2018 | Brandgefahr

    BMW ruft europaweit 324.000 Autos zurück

    Martin Hartmann meint: Achherje, da werden genau dieses Fahrzeuge in die Werkstatt zurückgerufen, die unter dem Verdacht d...mehr

Newsletter

Immer gut informiert.

Der asp Newsletter informiert Sie werktäglich über die aktuellen Branchen-Geschehnisse. So erfahren Sie alle relevanten Infos. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Gabler Wirtschaftslexikon

GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Das Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen

Betriebssicherheit

Mitarbeiteranweisungen

Mitarbeiteranweisungen

Schnell vermitteltes Wissen zu wesentlichen Gefahrenquellen in der Werkstatt. ¬ mehr

Werkstattkatalog

asp_wki_box_60x60

Alles für die Werkstatt!

Einmalig umfangreicher
Überblick zum Angebot der Werkstattausrüster.

¬ Zum Werkstattkatalog

Springer Automotive Shop

Top-Service trotz Fachkräftemangel!

Die Neuauflage von "Starke Serviceberater" wendet sich, von der einen Seite gelesen, an den Serviceberater. Dreht man das Buch um, steht der Serviceleiter im Fokus. ¬ Jetzt bestellen!