Montag, 23.10.2017
Verkehrsblatt IVW
18.04.2017
2    

¬ Umweltbundesamt

Kritik am Tempo-30-Vorstoß

Tempo-30-Zone

Länder und Kommunen sehen die Forderung nach Tempo 30 kritisch.

Tempo 30 in der Stadt - und zwar auf allen Straßen: Das fordert das Umweltbundesamt. "Tempo 30 bringt bessere Luft, flüssigeren Verkehr und weniger Unfälle - und man ist in der Regel genauso schnell unterwegs", sagte Präsidentin Maria Krautzberger der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Zwar könnten auf bestimmten Straßen auch höhere Geschwindigkeiten erlaubt werden, aber 30 Stundenkilometer solle die Regel sein.

Länder und Kommunen sehen die Forderung kritisch: "Der Deutsche Städtetag hält es für geboten, eine solche Regelung erst einmal in einzelnen Städten zu erproben", sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy der Deutschen Presse-Agentur. Dann ließen sich die Folgen für den Verkehr, die Akzeptanz der Bevölkerung und die Auswirkungen auf Luftschadstoffe und Lärm besser beurteilen. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) sieht die Lösung der Verkehrsprobleme in einem konsequenten Ausbau von Bus und Bahn, des Radverkehrs und der digitalen Verkehrsführung. "Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, man könne mit immer mehr Verboten und Einschränkungen nachhaltig Probleme lösen", sagte DStGB-Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg. 

Der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos), argumentierte mit den Vorteilen des bestehenden Systems mit verschiedenen Tempo-Zonen. "Wer an dieses funktionierende Straßensystem rangeht, sorgt dafür, dass die Wohnquartiere stärker belastet werden." Seine Begründung: "Die 50er Straßen ziehen den Verkehr aus den Wohngebieten, weil man da schneller fahren kann." Wenn man flächendeckend Tempo 30 einführe, verpuffe diese Wirkung.

VDA: Mehr Verbrauch und CO2-Ausstoß

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) brachte technische Einwände vor: Bei Tempo 30 werde meist in einem niedrigeren und damit ungünstigeren Gang gefahren, damit erhöhten sich Verbrauch und CO2-Ausstoß tendenziell. Zielführender seien Maßnahmen zur Verstetigung des Verkehrsflusses, erklärte der Verband am Freitag.

Auch im Bundesverkehrsministerium hält man wenig von einer generellen Tempo 30-Regelung. Dies sei nicht geplant, teilte das Ministerium mit. Sie schränke die Entscheidungsfreiheit der Kommunen ein und bremse den Verkehr auf den Hauptverkehrsstraßen unverhältnismäßig, auf denen zwei Drittel des Verkehrs innerorts abgewickelt werde. Die geltende Regelung sei ausreichend und ermögliche den Behörden, in Wohngebieten Tempo-30-Zonen anzuordnen, vor Schulen und Kitas auch auf Hauptverkehrsstraßen. Dafür war erst im vergangenen Dezember die Straßenverkehrsordnung geändert worden.

"Breite gesellschaftliche Diskussion" notwendig

Das Umweltbundesamt (UBA) hatte Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in einem Papier mit dem Titel "Stadt für Morgen" bei den kurzfristigen Zielen bis 2020 genannt. Neben fachlichen Untersuchungen sei zur Umsetzung eine "breite gesellschaftliche Diskussion" notwendig, heißt es in einem weiteren UBA-Papier. In den 70er und 80er Jahren sei "sehr kontrovers" über Tempo-30-Zonen in Wohngebieten debattiert worden. Inzwischen seien diese Zonen gesellschaftlicher Konsens.

Ein Sprecher des ADAC verwies auf eine Untersuchung im Auftrag des Automobilclubs vom vergangenen Herbst, der zufolge Autos bei Tempo 30 nicht weniger CO2 und Stickoxide ausstoßen als bei Tempo 50. Der ADAC argumentiert, dass Autofahrer vor allem zu verkehrsarmen Zeiten wie am Wochenende oder nachts ausgebremst würden.

Die erste Tempo-30-Zone in Deutschland war ein Modellversuch im November 1983 im niedersächsischen Buxtehude. Viele weitere Städte folgten.

Die Grünen wollen Kommunen die Möglichkeit geben, "eigenständig und unbürokratisch" über Tempo 30 auch auf Hauptverkehrsstraßen innerorts zu entscheiden - nicht nur, wenn dort etwa eine Grundschule oder ein Altenheim steht, wie es die Regelung vom Dezember vorsieht. (dpa)

 
 

Copyright © 1999 - 2017 by AUTO SERVICE PRAXIS Online (Foto: picture alliance/blickwinkel/McPhotos)

 


 
Zurück Artikel drucken Kommentar abgeben Heft-Abo
 
 
 

Kommentar verfassen

Schon gelesen? Die Top-Nachrichten

23.10.2017

¬ Motul

Armin Bolch Motul

Armin Bolch ist neuer Geschäftsführer

Seit dem 2. Oktober 2017 ist Armin Bolch neuer Geschäftsführer der Motul Deutschland GmbH. Sein Vorgänger Martin Klein nimmt seither die Funktion als Executive Vice President der Einheit Motul EuroRussia wahr. ¬ mehr

23.10.2017

¬ Schaeffler

Schaeffler Tschechien

Neues Werk in Tschechien eröffnet

Im neu eröffneten Werk des Automobilzulieferers soll der Wachstumskurs in Osteuropa bekräftigt werden. Die dort gefertigten Thermomanagementmodule sind für Verbrennungsmotoren und Mobilitätskonzepte der Zukunft geeignet. ¬ mehr

Bekenntnis zum Standort Ost

Das Nissan Service Center Luckau ist seit 25 Jahren im Osten aktiv. Aus dem damaligen Ausbildungs- und Handelszentrum ist ein modernes Servicecenter entstanden. Im Fokus stehen die Händlerbetreuung und der Kundenservice. ¬ mehr

zum 7-Tage Rückblick

Frage der Woche


Beliebteste Inhalte

  • 23.10.2017 | Abgasuntersuchung

    Endrohrmessung wird Pflicht

    Matthias Pfeffer meint: Eine Entscheidung für die Umwelt. Nur bei einer Messung kann man geforderte Grenzwerte feststellen ...mehr

  • 07.10.2017 | Abgasuntersuchung

    Endrohrmessung wird Pflicht

    Tobias meint: Endlich! Wir hatten schon öfter den Fall, dass ältere Dieselmotoren den Trübungswert bei der Endr...mehr

  • 23.09.2017 | Abgasuntersuchung

    Endrohrmessung wird Pflicht

    Uwe Cullmann meint: Unglaublich!dass Man sich diesem Unsinn anschließt. Jeder der etwas Ahnung von der Messmethode der ...mehr

Newsletter

Immer gut informiert.

Der asp Newsletter informiert Sie werktäglich über die aktuellen Branchen-Geschehnisse. So erfahren Sie alle relevanten Infos. Jetzt kostenlos bestellen und immer top informiert sein!

Gabler Wirtschaftslexikon

GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON ONLINE

Gabler Wirtschaftslexikon Online: Lexikon und Definition für Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Recht und SteuernDas Wissen der Experten:
- Qualitätsgeprüft.
- 25.000 Stichwörter.
- Kostenlos online.

» Definition kostenlos im Lexikon suchen

Betriebssicherheit

Mitarbeiteranweisungen

Mitarbeiteranweisungen

Schnell vermitteltes Wissen zu wesentlichen Gefahrenquellen in der Werkstatt. ¬ mehr

Werkstattkatalog

asp_wki_box_60x60

Alles für die Werkstatt!

Einmalig umfangreicher
Überblick zum Angebot der Werkstattausrüster.

¬ Zum Werkstattkatalog

Springer Automotive Shop

Neuauflage Autohaus-Management

Gestalten Sie die Zukunft der Branche mit!
¬ Jetzt bestellen!