Donnerstag, 24.05.2012
Verkehrsblatt IVW
26.01.2012
¬ Kommentar

Kostenfalle Elektronik?

Liebe LeserInnen,

schon seit Jahren mutiert das Automobil zum fahrenden Computer. Das hat die Umweltfreundlichkeit der Fahrzeuge und die Sicherheit erhöht. Doch wenn die Elektronik Schaden nimmt, wie jüngst im Crashtest des ADAC, wird es für den Autofahrer richtig teuer. Und genau das kann nicht im Sinne des Kfz-Gewerbes ein. Wie soll denn eine Werkstatt dem Besitzer eines gut erhaltenen, wenige Jahre alten Kompaktwagens erklären, dass nach einen minimalen Auffahrunfall der Radarkopf des Tempomaten defekt ist und der Kundenwagen damit einen finanziellen Totalschaden erlitten hat?

Man kann nur hoffen, dass die Automobilindustrie, welche Elektroniksysteme aus der Oberklasse in Rekordzeit bis hin zum Kleinwagen verfügbar macht, im Sinne der Produktpflege daran arbeitet, empfindliche Elektronik so sicher wie möglich zu verbauen. Sonst würde dies Autofahren für viele unmöglich machen. Eigentlich schienen diese Punkte längst erledigt zu sein. Jetzt fühlt man sich erinnert an eine Zeit, in der Steuergeräte gerne hinter den Scheinwerfern eingebaut wurden, nur um dann beim leichtesten Auffahrunfall ausgetauscht werden zu müssen. (re)

 

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KOMMENTARE ZUM ARTIKEL

29. Januar 2012 11:54
Klaus Nohr meint:

Hallo Herr Reich,
wie immer treffen Sie den Nagel auf den Kopf. Ich betrachte das ganze noch aus einem anderen Blickwinkel. Heute steige ich in mein schwäbisches Auto ein uns außer Starten, Lenken, Bremsen und Gasgeben kümmere ich mich nur noch um den richtigen Radiosender, um mein NAVI und warte auf eingehende Telefonate. Alles Andere geht automatisch. Das Licht, die Scheibenwischer, der Temmpomat regelt die Geschwindigkeit, das Getriebe schaltet automatisch, der Abstand regelt sich automatisch .....! Was bleibt auf der Strecke? Das Autofahren! Wenn ich mich an meinen Einstieg als Autofahrer erinnere, dann was das alles ganz anders. Wenn ich in meinen IN English Racing Green und tiefergElegten FIAT 600 (Kaufpreis DM 500,--) einstieg musste ich erst den Joke ziehen und dann den Anlasser ziehen, beide zwischen den Sitzen, und nicht vergessen beim Anlassen kein Gas zu geben. Wenn er dann lief und die Abbart-Anlage röhrte; war der junge Nohr glücklich. Dann musste man richtig autofahren. Keine Servolenkung, kein Bremskraftverstärker, Radialreifen (runderneurt), ordinäre Beleuchtung, Blechtank vorne. Geradeausfahren lag in der Fahrkunst des Fahrers, auf der Autobahn beim Überholen eines LKW darauf achten, dass auf der Höhe der Stoßstange mit eineM erheblichen Seitenwindstoß zu rechnen ist und das Auto sofort nach links gedrückt wurde und man konnte den FIAT sogart triften lassen wenn man wollte.

Was war der wirklichE Unterschied? Man hat mit allem gerechnet und war darauf vorbereitet. Man spürte die Straße, man war der Herr über das Auto. Autofahren war noch Arbeit und Spaß zusammen.

Allerdings lebten wir gefährlicher und ich glaube wir waren uns dessen nicht immer bewusst. Wir waren natürlich auch freier und einen Stau kannte man meistens nur vom Hörensagen oder von der Urlaubsfahrt nach Italien. Wir suchten unseren Weg auf zum Teil ungenauen Karten und kamen trotzdem an. Alles war halt anders. Doch wenn ich ehrlich bin, liebe ich mein schwäbisches Auto. Und dass ich eigentlich nur noch Eisnteigen, Lenken, Gasgeben und Bremsen muss finde ich ganz toll und bequem, doch das liegt wahrscheinlich an meinem hohen Alter.
Früheer war halt alle besse!

K. Nohr


27. Januar 2012 09:41
Wolfgang Kochendörfer meint:

Guten Morgen Herr Reich,

ich habe eben Ihr Editorial gelesen über die hohen Kosten bei der Instandsetzung eines ACC Systems nach einem Bagatellunfall. Dies stimmt grundsätzlich schon. Allerdings gilt zu bedenken, dass ein Radarsensor ungehindert freie Sicht nach vorn von mehreren hundert Metern haben muss. Deshalb ist eine geschützte Anbringung nicht möglich und es Bedarf bei dessen Justage einer genauen Einmessung. Die Prüfung des Systems ist nach einem Unfall über die Eigendiagnose mit geringem Aufwand möglich, die Einmessung muss über eine Fahrzeugvermessung erfolgen, um die genaue Justage nach vorn zu gewährleisten. Es wäre doch katastrophal, wenn nach einer "billigen" Instandsetzung das System nicht mehr zuverlässig funktionieren würde.
Einen wichtigeren Punkt in dieser Frage wäre für mich das offene Wort des Autoverkäufers. Nicht nur beim ACC sonder auch bei anderen elektronischen Komfortsystemen kann es im Laufe des Fahrzeuglebens zu hohen Kosten in der Instandhaltung kommen. Dies sollte beim Autokauf offen angesprochen werden und nicht nur an die höhe der Provision gedacht werden. Diese Folgekosten sind vielen Autokäufern nicht bekannt und sorgen bei ebensolchen Bagatellschäden für Unmut und Unverständnis.

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