Mittwoch, 25.04.2018
Verkehrsblatt IVW
Steuerkette

Kettentausch statt Motorschaden

Kettentausch statt Motorschaden
Austausch der Steuerkette am Beispiel eines Opel Meriva mit Ottomotor.
© Foto: Alexander Junk

Wenn der Motor rasselt, ist die Steuerkette meistens defekt. Wir zeigen Schritt für Schritt, wie der Austausch des Steuertriebs am Beispiel eines Opel Meriva mit Ottomotor funktioniert.

Die Lebensdauer der Steuerkette kann durch häufige Kurzstrecken und verschmutztes Öl reduziert werden ( wir berichteten in asp 10/2017). Für die Reparatur bietet Schaeffler Kettentrieb-Kits, in denen alle Austausch- Komponenten enthalten sind. Wie der Ketten-Austausch funktioniert, durfte die Redaktion von asp AUTO SERVICE PRAXIS an einem Opel Meriva mit 1.4-Ecoflex-Ottomotor erfahren. Kfz-Technik-Meister Jens Meyer, Technischer Trainer bei Schaeffler im Automotive Aftermarket, führte uns Schritt für Schritt durch den rund achtstündigen Prozess.

Ausbau der alten Kette

Im ersten Schritt werden das rechte Vorderrad und der Kunststoff-Spritzschutz im Radhaus demontiert. Dadurch hat man einen besseren und direkten Zugriff auf die weiter zu demontierenden Komponenten. Das Motoröl und das Kühlmittel werden abgelassen. Danach wird die Batteriemasse abgeklemmt. Im Motorraum muss dann das Luftfiltergehäuse inklusive der Luftführungen ausgebaut werden. Um den Ventildeckel des Motors zu entfernen, muss zunächst die Abdeckung des Zündmoduls und das Zündmodul entfernt werden.

Unter dem Ventildeckel sind die beiden obenliegenden Nockenwellen verbaut. Auf der rechten Seite in Fahrtrichtung befindet sich die Steuerkette. Um das Steuergehäuse demontieren zu können, muss die Ölwanne entfernt werden. Hierzu ist es erforderlich, die Abgasanlage am Flansch unter der Ölwanne zu trennen. Im Motorblock über der Ölwanne im Bereich des Steuergehäuses befindet sich eine Serviceöffnung, diese Öffnung ist durch eine Schraube verschlossen. Die Schraube wird entfernt. In der Kurbelwange des ersten Zylinders befindet sich eine Bohrung. Um die korrekten Steuerzeiten fixieren zu können, wird in diese Bohrung der Zentrierdorn des Spezialwerkzeuges eingesteckt. Nun befindet sich die Kurbelwelle im OT. Jetzt müssen die Nockenwellen ebenfalls fixiert werden. Am Ende der Nockenwellen befinden sich Schlitze, in die eine Lehre eingesetzt wird. Jetzt wird der Keilrippenriemen unter Entlastung des Riemenspanners entfernt. Danach werden der Riemenspanner und die Riemenscheibe der Wasserpumpe demontiert.

Nach diesem Arbeitsgang werden die Lichtmaschine und der Klimakompressor vom Steuergehäuse abgeschraubt. Der Motorhalter muss als Nächstes ausgebaut werden. Der Motor wird unter Zuhilfenahme einer Motorbrücke fixiert. Der 1,4-Liter-Motor hat jeweils für die Einund Auslassseite einen Nockenwellenversteller. Die Verstellung wird pro Seite über Magnetsteller, die mit jeweils zwei Schrauben befestigt sind, vorgenommen. Nach dem Ausbau liegen die Schaltventile der Nockenwellenverstellung, die gleichzeitig Befestigungsschrauben der Versteller sind, frei. Eine weitere Besonderheit dieser Motorenbaugruppe ist, dass die Befestigung der Wasserpumpe am Steuergehäuse teilweise so gelöst wurde, dass einige Schrauben der Wasserpumpe der Verbindung zwischen Steuergehäuse und dem Motorblock dienen. Am Steuergehäuse befindet sich unterhalb der Wasserpumpe noch eine zusätzliche Kühlmittelablassschraube. Diese wird herausgedreht und das Kühlmittel im Motorblock abgelassen.

Im nächsten Arbeitsgang wird die Kurbelwellenriemenscheibe unter Zuhilfenahme eines Gegenhalters ausgebaut. Im nächsten Schritt wird das Thermostatgehäuse gelöst. Nachdem alle 20 Befestigungsschrauben des Steuergehäuses entfernt worden sind, kann das Gehäuse abgenommen werden. Jetzt werden die Schrauben der Nockenwellenversteller gelöst. Der Kettenspanner sowie Spann-Zwischen- und Gleitschiene werden ausgebaut. Die Steuerkette und das Kurbelwellenrad werden herausgenommen. Danach werden die Nockenwellenversteller mit Sensorblechen demontiert.

Einbau der neuen Kette

Vor dem Einbau der neuen Kette werden das Steuergehäuse und die Ölwanne von alten Dichtungsresten befreit. Der Kurbelwellen-Simmering im Steuergehäuse wird auch erneuert. Bevor die neue Steuergehäusedichtung platziert wird, werden die Übergangsbereiche vom Motor zum Zylinderkopf leicht mit Dichtungsmasse bestrichen. Erst jetzt kann die neue Dichtung eingesetzt werden.

Im nächsten Schritt werden die Passungen an der Nockenwelle gereinigt. Hier ist unbedingt darauf zu achten, dass die Passungen an der Nockenwelle und dem Nockenwellenversteller öl- und fettfrei sind. Es handelt sich hierbei um Presspassungen. Nun werden die Nockenwellenversteller mit den Sensorblechen eingesetzt. Die Schrauben werden dabei nur so fest angezogen, dass sich die Sensorbleche noch leicht drehen können. Das ist wichtig, weil später eine genaue Grundeinstellung der Bleche mit einem weiteren Spezialwerkzeug hergestellt werden muss. Jetzt wird die neue Steuerkette mit Kurbelwellenrad aufgelegt. Dann werden die neue Spann- und Gleitschiene mit neuem Kettenspanner montiert.

Die Kette wird nun großzügig mit dem Spezialadditiv "Chain Protect" geschmiert, das den Einlaufverschleiß minimiert. Anschließend kann der Kettenspanner durch Ziehen des Arretierstifts gelöst werden. Nun wird das Steuergehäuse wieder aufgesetzt. Die Ölwanne wird mit Dichtmasse bestrichen und wieder montiert. Die Lichtmaschine und der Klimakompressor werden anschließend festgeschraubt. Die Abgasanlage wird ebenfalls wieder verschraubt. Der Riemenspanner und die Riemenscheibe der Wasserpumpe werden montiert. Die Kurbelwellenriemenscheibe wird mit neuer Dehnschraube nach Herstellervorgaben angezogen und dann der Keilrippenriemen aufgelegt. Der Motorhalter wird wieder eingesetzt und die Brücke entfernt.

Nun kann das rote Spezialwerkzeug auf dem Steuergehäuse aufgesetzt werden und die Sensorbleche werden in der Grundeinstellung fixiert. Zwischen dem Nockenwellen-Versteller an der Zwischengleitschiene wird vorerst ein Gegenhalter montiert. Jetzt werden die Nockenwellen-Versteller mit Drehmoment angezogen. Alle Spezialwerkzeuge werden demontiert und die Gleitschiene zwischen den Verstellern montiert. In Laufrichtung wird der Motor 720 Grad gedreht und mit den Spezialwerkzeugen werden noch einmal die Steuerzeiten geprüft. Danach kommen alle noch demontierten Teile wie das Luftfiltergehäuse, Ventildeckel (mit neuer Dichtung), Zündmodul und Abdeckungen wieder an ihren Platz.

Der Ölfilter wird noch gewechselt und dann Motoröl und Kühlwasser aufgefüllt. Im Zuge der Reparatur ist es auch ratsam, alle dem Verschleiß unterliegenden Teile wie Riemenspanner, Keilrippenriemen, Wasserpumpe und Thermostat gleich mit zu tauschen.

Autor: Alexander Junk

 
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