EU-Kommision: Eigene Wettbewerbsregeln für den Servicemarkt?

22.07.2009 13:10 Uhr
Wohin geht es ab 2010 mit der Kfz-GVO? Die EU-Kommission hat heute ihre Ideen präsentiert.
© Foto: Archiv/AHO-Montage

Die EU-Kommission äußert sich zur Zukunft der Gruppenfreistellungsordnung (GVO) und plädiert für eine verschärfte Anwendung der allgemeinen Kartellrechts-Regeln für den Aftersales-Bereich ab Juni 2010. Diese sollen um spezielle Regeln ergänzt werden, die u.a. den Zugang zu technischen Informationen, Ersatzteilen und den Servicenetzen der Hersteller gewährleisten.

Die Europäische Kommission hat heute die Weichen für die Zukunft der im Mai 2010 auslaufenden Gruppenfreistellungsverordnung (GVO 1400/2002) gestellt. Demnach könnte es künftig zumindest für einen Zeitraum von drei Jahren zwei verschiedene Regelungen für die Kfz-Branche geben. Beim Verkauf von Neuwagen sehen die Wettbewerbshüter nach eigenem Bekunden in der EU keine nennenswerten wettbewerblichen Probleme und sprechen sich für eine Verlängerung der bestehenden Regelung bis Mai 2013 aus (mehr dazu lesen Sie bei unserem Schwesterdienst unter http://www.autohaus.de). Beim automobilen Aftermarket (Kundendienst und Instandsetzung) bestehe dagegen unmittelbarer Handlungsbedarf, so eine Kommissions-Mitteilung vom Mittwoch. Konkret schlagen die Kommissare daher vor, im Bereich Aftersales ab 2010 die allgemeinen Wettbewerbsregeln (so genannte "Schirm-GVO") anzuwenden, die allerdings durch sektorspezifische Leitlinien bzw. eine sektorspezifische Aftermarket-GVO ergänzt werden soll. Darin sollen z. B. der Zugang zu technischen Informationen, Ersatzteilen und den Servicenetzen der Hersteller konkret geregelt werden, kündigte die Kommission an. "Aber auch neuere Fragen, die in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen haben, wie missbräuchliche Gewährleistungspraktiken, mit denen unabhängige Werkstätten verdrängt werden sollen, finden Berücksichtigung", hieß es weiter. Der heute von den Wettbewerbshütern vorgestellte Report — von den Brüsseler Dolmetschern "Folgenabschätzungsbericht" genannt — ist im Internet vorerst nur in englischer Sprache abrufbar (Link s.u. in der Box unter "Mehr im Netz"). Erneut bittet die Kommission um Stellungnahmen aus der Branche. Diese können bis zum 25. September per Mail an mailto:Comp-car-sector@ec.europa.eu gesendet werden. In einer ersten Reaktion erklärte GVO-Experte Dr. Thomas Funke von der Kölner Kanzlei Osborne Clarke zu dem heutigen Vorschlag: "Für die Branche ist dies ein Fortschritt gegenüber dem Evaluierungsbericht der EU-Kommission vom Mai 2008. Der heutige Vorschlag nimmt zentrale Anliegen insbesondere des freien Service-Marktes auf. Vor allem der Gedanke, neben sektorspezifischen Leitlinien eine eigene GVO für den Aftermarket zu schaffen, ist hilfreich. Entscheidend wird aber vor allem der Inhalt der neuen Regeln sein, und die Bereitschaft der Kartellbehörden, deren Einhaltung zu überwachen."

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


asp AUTO SERVICE PRAXIS Online ist der Internetdienst für den Werkstattprofi. Neben tagesaktuellen Nachrichten mit besonderem Fokus auf die Bereiche Werkstatttechnik und Aftersales enthält die Seite eine Datenbank zum Thema RÜCKRUFE. Im neuen Bereich AUTOMOBILE bekommt der Werkstatt-Profi einen Überblick über die wichtigsten Automarken und Automodelle mit allen Nachrichten, Bildergalerien, Videos sowie Rückruf- und Serviceaktionen. Unter #HASHTAG sind alle wichtigen Artikel, Bilder und Videos zu einem Themenspecial zusammengefasst. Außerdem gibt es im asp-Onlineportal alle Heftartikel gratis abrufbar inklusive E-PAPER. Ergänzt wird das Online-Angebot um Techniktipps, Rechtsthemen und Betriebspraxis für die Werkstattentscheider. Ein kostenloser NEWSLETTER fasst werktäglich die aktuellen Branchen-Geschehnisse zusammen. Das richtige Fachpersonal finden Entscheider auf autojob.de, dem Jobportal von AUTOHAUS, asp AUTO SERVICE PRAXIS und Autoflotte.