Gegen den erbitterten Widerstand der Agrarlobby hat der Bundestag am vergangenen Freitag ein neues Biokraftstoffgesetz beschlossen. Es gilt nun für 2009, dass insgesamt 5,25 Prozent des verkauften Kraftstoffs aus biologischen Rohstoffen stammen muss. Das ist eine Absenkung gegenüber der bisher gültigen Marke von 6,25 Prozent, die mit der gegenwärtigen Technik nicht zu schaffen war. Jetzt werden dem Dieselkraftstoff sieben Prozent Biodiesel und dem Benzin fünf Prozent Ethanol beigemischt. "Damit können wir zumindest in diesem Jahr durch Beimischung die Bio-Quote erfüllen", sagte Karin Retzlaff vom Mineralölwirtschaftsverband (MWV) in Berlin. Die Hersteller von Biokraftstoffen kommen damit in Probleme, denn sie haben im Vertrauen auf staatliche Förderung und Steuerprivilegien hohe Kapazitäten aufgebaut, die nun nicht auszulasten sind. Reiner Biodiesel ist kaum noch absetzbar, weil steuerliche Vorteile verloren gegangen sind und nicht alle Fahrzeuge den Stoff wirklich gut vertragen. Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie ist empört über die Entscheidung des Gesetzgebers und spricht von einem "schweren Vertrauensbruch". Insgesamt hat die anfängliche Begeisterung für Bio-Treibstoffe stark nachgelassen. Sie seien weniger umweltfreundlich als gedacht, zögen zusätzlichen Landschaftsverbrauch in tropischen Ländern nach sich und erhöhen tendenziell die Preise für Nahrungsmittel, kritisierten Naturschutzorganisationen. Die setzen inzwischen eher auf die Bio- Kraftstoffe der zweiten Generation. Sie müssen nicht eigens angebaut werden, sondern werden aus allerlei pflanzlichen Abfällen gewonnen. Diese Technik ist aber noch nicht marktreif. Neuer Anlauf für erhöhte Ethanol-Beimischung Interessant wird es im nächsten Jahr, wenn die erforderliche Beimischung für die Gesamtmenge aller Kraftstoffe auf 6,25 Prozent steigt. "Dann müssten wir dem Benzin einen Anteil von zehn Prozent Ethanol zumischen können", so Retzlaff. Dieses Benzin gibt es aber noch nicht. Nachdem es Streit über die Verträglichkeit von E10 gab (wir berichteten), muss es zunächst entwickelt, geprüft, von der Autoindustrie für geeignet befunden, normiert und zugelassen werden. Das dauert. Auf europäischer Ebene vermutlich bis 2011, in Deutschland geht es vielleicht etwas schneller. "Wir hoffen, das Normierungsverfahren zu beschleunigen", sagte Jörg Adolf von der Shell Deutschland. Ursprünglich war geplant, dass der Anteil an Bio-Kraftstoffen Jahr für Jahr steigen soll. Doch nach den ernüchternden Erkenntnissen und Erfahrungen der vergangenen Jahre hat der Gesetzgeber davon wieder Abstand genommen und belässt es bis 2014 bei 6,25 Prozent. Wie die Industrie diese Quote erfüllen will, ist noch nicht absehbar. Fest steht, dass der Autofahrer die Beimischung letztlich bezahlen muss. Bio-Kraftstoffe sind fast doppelt so teuer wie Benzin und Diesel aus Mineralöl. Ohne die Beimischung wäre der Sprit theoretisch schon jetzt einen Cent billiger. (Eckart Gienke, dpa)
Neues Gesetz: Biosprit stellt Auto- und Ölbranche vor Probleme
Der Bundestag hat in der vergangenen Woche nach langem Gezerre ein neues Gesetz über Biosprit beschlossen. Damit sind die Rahmenbedingungen für das laufende Jahr klar, doch schon im nächsten Jahr tun sich neue Probleme für Autofahrer, Tankstellen und Autoindustrie auf.