¬ Kommentar
Amerika soll es richten
Liebe LeserInnen,
die deutschen Autobauer haben in den letzten Wochen grob gegen die alte Kaufmannsregel verstoßen, wonach Klagen den Umsatz hebt. Eine Rekordmeldung jagte die nächste und die Konzernmanager kommen kaum nach mit den Erfolgsmeldungen über Produktions- und Absatzrekorde ihrer Fahrzeuge. Mit besonders Stolz geschwellter Brust sah man zuletzt Martin Winterkorn, der als Lenker des VW-Konzerns erstmals über acht Mio. produzierte Autos vermelden konnte.
Die Erfolge sind allerdings kurzlebig, darum ist der Blick nach vorne gerichtet und da will man sich in diesem Jahr vor allem im US-amerikanischen Markt stärker engagieren. Mit Marktanteilsgewinnen jenseits des Atlantiks sollen erwartete Marktrückgänge in Europa zumindest teilweise kompensiert werden. Gelingen soll das auch mit einer gemeinsamen Kommunikationsstrategie deutscher Hersteller zu den Vorzügen von Dieselmotoren. Für die konnten sich die Amis bislang nicht erwärmen, doch weil der Kraftstoffverbrauch offensichtlich für immer mehr US-Bürger eine Rolle beim Fahrzeugkauf spielt, rechnen sich deutsche Hersteller gute Chancen aus, ihre Diesel-Modelle in deutlich größeren Stückzahlen in Amerika absetzen zu können.
Bleibt zu hoffen, dass die Amerikaner ihre Infrastruktur für die Kraftstoffversorgung auf Vordermann gebracht haben. Denn bislang scheiterte die Diesel-Verbreitung auch daran, dass sich kein Kunde mit Premium-Diesel zwischen Trucks an der Tankstelle einreihen wollte. Und natürlich sollten die Raffinerien im Land auch in der Lage sein, den Saft für die Selbstzünder in einer Qualität zu liefern, die moderner Einspritztechnik gerecht wird. Andernfalls dürfte ein wachsender Dieselanteil im Amerika vor allem zu Lücken in der europäischen Kraftstoffversorgung führen. Die Zeche dafür müssten auch deutsche Autofahrer an der Dieselzapfsäule zahlen. (fs)
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